Action-Cam-Halterung mit Schwingungsdämpfung im Eigenbau - leistungsfähige Stabilisierungssoftware

  • #1

    Vorab eins,

    damit nicht gleich alle wegen der schieren Textmenge eine Krise kriegen hier eine Inhaltsangabe:

    1. Warum und wie habe ich eine Action-Cam-Halterung gebaut? Wie bin ich vorgegangen, und wo liegen

    für mich die Vorteile dieser Lösung, wen's interessiert Abschnitt 1. lesen.

    2. Kurze Vorstellung eine leistungsfähigen Software um Videos zu stabilisieren und nachzuarbeiten,

    wen's interessiert Abschnitt 2. lesen.


    1.

    Ich hatte vor einiger Zeit ja schon einmal erwähnt das ich mir eine spezielle Halterung für

    meine Preiswert-Action-Cam gebaut habe.

    Halterungen, so wie ich sie mir vorstellte, habe ich nirgends gefunden. Das was es gab war

    quasi nicht vibrationsgedämpft, zu klobig oder von der Anbringung nicht das was ich mir vor-

    gestellt habe. :(


    Dazu muss ich sagen, ich wollte keine Helmkamera, egal wie diese angebracht wird. Irgendwelche

    lange Stangen oder die Kamera um die Brust schnallen, oder irgendwo anders an der NC, ne nicht

    wirklich.

    Für mich blieb wegen der Kamerasicht (Fahrersicht) nur der Lenker oder der Spiegel. Und wegen des

    Windschilds mit Spoiler hat sich als einzige Option der Spiegelarm herauskristallisiert.


    Wie gesagt, ich bastle gerne und mir stehen etliche Maschinen aus dem Erbe meines Vaters zur

    Verfügung. :)

    Also wieder "selbst ist der Mann"

    Zuerst ein wenig Ideen gesammelt, Handskizzen gemacht, etwas gemessen, gerechnet und recher-

    chiert und dann einen Prototypen gebaut um festzustellen welches Material am besten

    Schwingungen bzw. Vibrationen bedämpft.

    Ganz schnell und auch durch Infos im Netz bin ich auf schnöden Filz gekommen. :thumbup:

    Was mir aber auch klar war ist, das Masse, also Gewicht in Kombination mit Filz noch mehr dämpft

    und beruhigt.


    Also den Prototypen "zusammengelötet" und auf meinen, unseren Touren Aufnahmen ohne kamera-

    interne Stabilisierung gemacht um die Wirkung zu testen.

    Der vorher nachher Vergleich, ich muss sagen, gar nicht schlecht. :thumbup:

    Vorher, mit den mit Gummi und Filz entkoppelten Standardhalterungen, ne ne, Wackeldackel pur

    und je nach Motorlast und Drehzahl unkontrollierbare Resonanzschwingungen mit Bewegungen

    in alle Richtungen was ein unscharfes, mehr oder weniger verschmiertes Bild zur Folge hat.

    Und wenn dann noch Straßenunebenheiten dazukamen, das will sich keiner anschauen, da wirste

    see (seh) krank. ;(


    Ich wollte ja möglichst nah an die Fahrersicht-Perspektive und die Kamera sollte sich genau

    so wie das Motorrad in die Kurve legen um beim Anschauen der Videos realitätsnahe Aufnahmen

    mit dem gewissen Kick zu bekommen.

    Da ich auch gern einmal nach links und rechts und nicht nur stur nach vorn schaue hätte eine Helm-

    kamera das "Videoerlebnis" allein aus diesem Grund schon zu stark verhagelt. :(


    Nach dem Erfolg mit dem Prototypen ging's jetzt an die Umsetzung. Als Material habe ich

    schwarzes Polyamid genommen. Das hat sehr gute Gleiteigenschaften ist aber nur mir sehr scharfen

    Fräsern bzw. Drehstählen vernünftig zu bearbeiten. Aber scharfe Vollhartmetallfräser und scharfe

    Drehstähle habe ich.

    Also gedreht, gefräst, Gewinde geschnitten, mehrfach angepasst und und und.


    Das Ergebnis seht ihr auf dem Foto unten.


    Jetzt wird mancher sagen, das sieht aber schei… aus. Ja, ok. schön ist anders, aber irgendwie

    sieht's doch recht technisch aus, oder? ;)


    Das was ich erreichen wollte habe ich erreicht.

    Quasi eine Fahrerperspektive und eine Kamera die sich mit in die Kurve legt. Ich habe keine

    Ahnung wo man das bekommen könnte und wenn, für welchen Preis. Und mit einem "Gimbal" ist mir

    auch nicht geholfen. Der stabilisiert ja hauptsächlich Schwenks und ruckelige Bewegungen. Gegen

    höherfrequente Schwingungen, die je nach Belichtungszeit, gerade in der Dämmerung das Bild

    matschig und unscharf machen kann der auch nichts ausrichten. :(


    Meine ganzen Überlegungen zielten letztendlich auf eine Kombination aus Schwingungs bzw.

    Vibrationsdämpfung und nachträglicher Bearbeitung mit einer Software ab.


    2.

    Was geeignete Software anbelangt hatte ich mich schon im Voraus informiert.

    Und als "eierlegende-Wollmilchsau" für die nachträgliche, gezielte Bildstabilisierung und Nach-

    bearbeitung hat sich "proDAD Mercalli" herauskristallisiert.


    Auf der ProDAD Seite gibt es eine Demo-Version. Das verrückte ist das die einzige Einschränkung

    die ich feststellen konnte darin besteht das ein kleines gelbes Logo unten rechts in der Ecke

    des bearbeiteten Videos zu sehen ist! Damit kann ich leben. :)

    (proDAD Mercalli ist eine professionelle Software-Lösung zur Videostabilisierung, CMOS-Korrektur

    (Wobble- und Jello-Effekt) und Bildoptimierung)


    Ich vermute das diese Software leistungsfähiger ist als die meisten kamerainternen Systeme von

    Konsumer Action-Cams, auch derer in etwas höheren Preisregionen.

    Mein leistungsfähiger Rechner, den ich meist nur für Videobearbeitung, ab und zu für ein Spielchen,

    Synthesizer-Emulation oder CAD benutze ist nicht der langsamste, sprich er hat Rechenleistung. Und

    trotzdem braucht die Bewegungsanalyse sowie die dann folgende Bearbeitung je nach Algorithmus

    und Einstellungen schon seine Zeit.

    Ich vermute das kamerainterne Hardware, die soviel ich weiß wohl in Echtzeit arbeitet, (da man sich

    das "entwackelte Video" ja sofort anschauen kann) dies nicht leisten kann.

    Rein stromtechnisch ist das wohl auch kaum möglich da sonst die Akkus der Kamera in null Komma

    nichts leer wären wenn so rechenintensive aber so effektive Algorythmen wie bei Mercalli eingesetzt

    würden.

    Wie gesagt, eine Vermutung aber eventuell nachvollziehbar.


    Einfach ein sehr leistungsfähiges Werkzeug. :thumbup: Meine Preiswert-Cam hat etwas flaue, nicht ganz

    so strahlende, kräftige Farben wie z.B eine GoPro etc.. Ich bin ganz geflasht was Mercalli da noch

    rausholt. :)


    Aber Achtung, das ist ein mächtiges Werkzeug! Da muss man sich mit beschäftigen wenn man alles
    rausholen will. Es gibt allerdings auch Standardeinstellungen die schon gute Resultate bringen.

    Ich habe mir schon einen Ablaufplan mit Screenshots gemacht und die nach etlichen Test's für mich

    besten Einstellungen festgehalten.

    Das kann sich kein Schwein alles merken, das macht man ja nicht tagtäglich.

    Und da jetzt ja die fast moppedfreie Zeit naht kann ich es mir in meinem Allzweckzimmer gemütlich

    machen und nebenbei Videos optimieren. :)


    Übrigens das ganze Projekt hat sich über min. 3 Monate hingezogen. Immer wenn ich Lust hatte

    habe ich mit der Hard bzw. Software befasst, ganz ohne Druck nach Lust und Laune.

    Denn wenn ein Rentner etwas hat ist es doch wohl Zeit, wenn nicht stimmt was nicht.


    Und wenn jetzt die Köpfe rauchen, sorry, danke für eure Ausdauer. :thumbup:

    Vielleicht war für den ein oder anderen etwas dabei, ob Hardware oder Software.


    Hier ein Foto von der besagten Halterung:


  • #2

    Hallo Thomas,


    schon toll was du für Ideen hast, und was du alles selbst umsetzen kannst 👍


    Was die Optik betrifft, finde ich, es sieht auf jeden Fall besser aus als diese komischen Stangen,

    die einen halben Meter in die Höhe ragen - das würde ich mir niemals anbauen 🤢


    Viel Spaß beim Heimkino in den langen Wintermonaten 😊


    Grüße aus BW

    Jürgen

  • #3

    Hallo Thomas,

    ich befürchte deine Kommentare werden bald ISBN-pflichtig...😎


    Gruß Kalle

  • #4

    ThomasLIP

    ich bewundere die Erfindungsgabe und die Detailverliebtheit von dir.

    Auch wenn ich manchmal von den "etwas" zu ausführlichen Antworten genervt bin, rentiert es sich doch meistens genau mitzulesen.


    Eine eigene Halterung für eine Actioncam zu bauen auf so etwas könnte ich mich nicht einlassen.


    Umso schöner das du dich da rantraust und auch eine Lösung gefunden hast.

    Außerdem mag ich es wenn du uns an diesen Lösungen teilhaben lässt.


    Ich hoffe das dein Erfindungsreichtum anhält, du weitere Lösungen findest und uns weiterhin daran teilhaben lässt.

    Werner

    Existieren kann man überall, aber Leben.... Leben kann man nur in Bayern

  • #6

    Hallo Thomas,


    danke für deinen ausführlichen Bericht. Ich finde ihn sehr interessant, nur der letzte Satz stimmt bei mir überhaupt nicht.


    Meine Frau ist vor 12 Jahren verstorben. wir haben 2 Kinder und 4 Enkelkinder. Ich lernte dann eine 'neue' Frau kennen. Sie hat ebenfalls 2 Kinder und 2 Enkelkinder. Irgend jemand will immer was von uns. Opa- und Omadienst ist jede Woche mindestens einmal angesagt . . .

    Aber, ich bin ja selber Schuld. Ich musste mich entscheiden zwischen der neuen Familie (mit Eltern und Geschwistern) und mehr Motorradfahren. Es wurde ein Kompromiss. Erst die Familie und dann das Motorrad. So komme ich im Jahr nur noch auf ca. 12.000 hart erkämpfte Km mit meiner Honda.


    Lorenz

  • #7

    Hallo Lorenz,

    Ja das kenne ich auch so, meist sehr spontan. Da meine Frau noch berufstätig ist, kommt der Opa häufiger dran.

    Aber das ist vollkommen in Ordnung.

    Wenn das Wetter einigermaßen mitspielt, fahre ich mit dem Motorrad hin.

    (12 und 45 km entfernt)


    Gruß Kalle

  • #8

    Ned Flanders


    Hallo Wolfgang, vorm Abitur habe ich eine Lehre als Werkzeugmacher-Werzeugmechaniker

    gemacht. Danach und vor meiner Selbständigkeit habe dann noch ca. 6 Jahre als Werkzeug-

    mechaniker gearbeitet.

    In gewisser Weise sind wir Berufskollegen. :thumbup:


    Mein Vater hat in einem kleinen Nebengebäude direkt neben dem Haus damals seine Selbständigkeit

    begonnen.

    Wir nennen es Werkstatt. Und die ist komplett eingerichtet. :) Fräse, Drehbank, Kreissäge (Stahl etc.)

    Schweißgerät, Winkelschleifer, Bandschleifer, Werzeug in alles Facetten, Kompressor und sogar eine

    kleine Lackierecke mit Absaugung sowie ein gut sortiertes Materiallager.


    Alles was das Bastlerherz begehrt.

    Zugegeben, da bin ich natürlich privilegiert und kann Projekte umsetzen die für "Otto-Normalbastler"

    nur schwer umzusetzen sind.


    Es macht mir einfach Spaß etwas zu projektieren und umzusetzen.

    Nur mein CNC-Fräsenprojekt ist immer noch nicht fertig. :( Es ist alles da, CAD-Konstruktions-

    zeichnungen Material, Ansteuerung usw.

    Der Winter wäre ideal einmal weiterzumachen, aber bei der allgemeinen Kostenentwicklung

    möchte ich die recht schlecht isolierte Werkstatt im Winter nicht mehr großartig heizen.

    Ja ich habe mich, was die Fräse anbelangt, etwas gehen lassen. :( Aber irgendwann....

    Da ich ja eine "manuelle Fräse" besitze ist die CNC eigentlich ein Projekt nur um mir selbst zu

    beweisen was ich drauf habe. Einen echten Sinn ergibt es nicht auch wenn es mir Freude macht.


    Jetzt aber zur Action-Cam.

    Es ist einen VICTURE AC820

    Warum eine Preiswertkamera? :think:


    Nun, meine Lebenserfahrung sagte mir, fang in diesem Fall mit was billigem an, eventuell kaufst

    du teuer und nachher liegt das Ding doch nur in der Ecke. ;( Kommt das jemanden bekannt vor? :think:

    Also im Netz recherchiert, ein paar Videos, die mit der AC820 gemacht worden sind angeschaut

    und für "gut" befunden, auch wenn die Youtube-Komprimierung natürlich die Qualität nicht 1:1

    rüberbringt.


    Also nach Weihnachten bei Kleinanzeigen nach nicht benötigten Weihnachtsgeschenken Ausschau

    gehalten. Und da war sie, eine VICTURE AC820, ein unbenötigtes und nur 1x getestetes Weihnachts-

    geschenk. Für'n Appel und nen Ei gekauft. Und tatsächlich, originalverpackt mit allem Zubehör.

    Und das Beste, eine schnelle 64GB Markenspeicherkarte (V30), die nicht zum Zubehör gehört

    war auch noch im Slot. :)

    Da will ich mal nicht meckern.


    Die Bedienung ist durch das Touchscreendisplay absolut intuitiv und man hat die Kamera in null

    Komma nichts verstanden. :thumbup: (Natürlich kann man auch brauchbare Fotos damit machen.)


    Wie ich schon schrieb sind die Farben etwas flauer als bei teuren Kameras aber die Bildschärfe

    ist gerade bei schönem Wetter und dann kurzen Belichtungszeiten schon beeindruckend. Für die

    besten Ergebnisse nach der Bearbeitung mit Mercalli bevorzuge ich die Einstellung "scharf"

    Obwohl ich nicht mit der vollen Auflösung filme sondern mit Full HD 1920x1080 30 FPS, um die

    Datenflut im Zaum zu halten, sind die Ergebnisse nach der Bearbeitung mehr als zufriedenstellend. :thumbup:


    Was etwas verwunderlich ist, ist das nach der Bearbeitung mit Mercalli die Datei zwischen 20 und 30%

    größer ist. Aber das nehme ich gern in Kauf.

    Wie schon gesagt, was Mercalli bei der Stabilisierung, den Farben etc. noch rausholt, ich bin schon

    erstaunt. Nach der Bearbeitung kommt man nicht auf die Idee das es sich um eine Aufnahme mit

    einer Preiswert-Kamera handelt.


    Einen Haken haben diese und auch viele andere Kamera's. :(

    Das fest eingebaute Mikrofon.

    Nicht gerade ideal für Fahraufnahmen. Je nach Geschwindigkeit ist nur noch ein verzerrtes Rauschen

    zu hören.


    Aber wer hätte es gedacht, dafür hat der Bastelfritze natürlich auch eine Lösung. :)

    Ich habe das interne Mikrofon stillgelegt und eine 2,3mm Klinkenbuchse in die Kamera gebaut.

    Dann ein Mikrophongehäuse mit Kabelklemmung gefräst und diese mit einer Gürtelklemme,

    die im Kamerazubehör lag, verschraubt.

    Das Mikrofon klemme ich während der Fahrt hinten rechts an Hose oder Gürtel und ziehe die

    Jacke darüber.

    So kann man auch bei 100 Km/h noch den Auspuffsound hören und nicht nur ein monotones

    Rauschen. :)


    Klanglich noch nicht perfekt aber damit kann man Leben. Um nur den reinen Auspuffsound

    ohne Abroll, Getriebe und Kettengeräusche zu hören benötigt man wohl ein sperriges, längliches

    Richtmikrofon. Standardmikrofone wie dieses haben meist eine Nierencharakteristik und blenden

    rückwärtigen Schall nicht komplett aus.

    Man kann nicht alles haben. Aber wer weiß was dem Bastellfritzen dazu noch einfällt :? :)


  • #9

    Lorenz


    Du hast schon recht.

    Das hat sich allgemein so festgesetzt das Rentner doch immer Zeit hätten.

    Da habe ich mich einer eigentlich hohlen Floskel bedient. :(


    Aber glaube mir, es gibt nichts wichtigeres als Familie, auch wenn's manchmal nervt.

    Wir sind soziale Wesen und wenn jemand Gesellschaft, Hilfe, oder Beistand braucht

    kommt die Familie zuerst.


    Schön ist ja das die NC nicht rummeckert, die kann sich gut mit sich selbst beschäftigen. ;)

    Aber 12 tKm im Jahr, das ist doch was, ich schaffe meist nur 5 bis 7 tKm im Jahr habe

    aber in den letzten Jahren auch keine Urlaubsfahrten mit dem Mopped gemacht. ;(

    Ich habe aber auch zu viele Tauben auf dem Dach von denen ich die Finger nicht lassen kann. ;(

    Ob das alles sein muss ? :think: Ich wage es zu bezweifeln.

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