Rückblick: Was würdet ihr eurem Anfänger-Ich gerne sagen?

  • #41

    Hallo Hondafan86,


    ich finde es klasse wie du die Tipps aus den einzelnen Beiträgen herausgezogen und aufgelistet hast. Einige davon möchte ich aus meiner Erfahrung ( seit 1977 kontinuierlich und über 250TKm ) verändern bzw. ergänzen.

    Ergänzungen:

    • Trau keinem mit vier Rädern, selbst wenn du dir selbst im Auto begegnen würdest.
    • Verzichte im Zweifel auf dein Recht. Es nützt dir nichts, wenn auf deinem Grabstein steht "Sie hatte Recht."
    • Starre nicht auf das Heck des Autos vor dir. Schaue ein zwei Autos voraus und schaue was die machen.
    • Schaue immer dorthin, wohin du fahren willst.
    • Trau deiner Intuition. Selbst wenn jemand in deine Richtung schaut kann es sein, dass er dich NICHT gesehen hat.
    • Schau in die Lücke. Das ist besonders schwierig, weil wir Menschen anders konditioniert sind. Suche immer nach einem Weg am Vorausfahrenden vorbei. Im Stau rechts auf den Standstreifen oder den Grünstreifen neben der Straße. Leitpfosten kannst du umfahren. Oder zwischen die Autos auf der linken und rechten Spur. Schau dir mal Bilder von Karambolagen an. Der Platz zum Ausweichen war da.
    • In der Kurve drücken drücken drücken. Wenn du dann stürzst, rutscht die Maschine vor dir weg. Bei einem Highsider fliegst du vorne drauß und die Maschine kommt hinterher. Ungesund!
    • Suche dir irgendeine Handlung aus, die du ausführst, wenn du feststellst, dass du einen Fehler gemacht hast. Tippe z.B. auf den Bremsflüssigkeitsbehälter. Dadurch wird dir der Fehler bewusster und du kannst ihn besser verarbeiten bzw. vermeiden.
    • Beim Überholen einer Kolonne immer nur ein Auto überholen. Besonders gefährlich wird es beim Fahrzeug direkt hinter dem Langsamfahrer. Der wartet schon lange auf eine Gelegenheit und ist entsprechend nervös.
    • Beim Überholen von landwirtschaftlichen Fahrzeugen (Traktor) extrem vorsichtig sein. Folgende Gefahren drohen:
      • Lichtanlage ist defekt -> Abbiegen und Bremsen bekommst du nicht mit
      • Lichtanlage verdreckt -> dito
      • Blinker wird nicht benutzt -> Plötzliches Abbiegen bekommst du nicht mit
      • Blinker wird benutzt und Traktor hält an -> Ein anderer Traktor fährt aus dem Feldweg auf die Straße. (in Erntezeiten)
      • Strasse ist an einer kurzen Stelle stark verdreckt -> Veränderte Straßeneigenschaften
      • Geräte am Traktor sind überbreit oder können aufgrund der Fahrbahneigenschaften kurzzeitig weit auf die Gegenspur überhängen.

    Änderungen:

    • Am Anfang Fahrsicherheitstraining und Kurventraining jährlich absolvieren, wenn es der Geldbeutel zulässt. Nach ein 2-3 Trainings kannst du auch ein paar Jahre Pause einlegen. Wichtig ist am Anfang das Training der Nutzung des ABS.
    • Sich nicht selbst überschätzen. NIE!! Sei besonders vorsichtig, wenn du emotional aufgwühlt bist, negativ wie postiv.
    • Viel fahren => regelmäßig fahren. Es nütz nix, wenn du einmal im Jahr eine 3TKm-Tour machst. Am Besten ist du integrierst das Motorrad in den Alltag.
    • Heizgriffe anbauen => Nur notwendig wenn du bei extremer Kälte fährst. Die Heizgriffe wärmen nicht die Fingerspitzen und die sind oft das Problem.
    • Gehörschutzstöpsel => Nur wenn du Geräuschprobleme hast und du dann mit der Geräuschkulisse klarkommst. Ich benutze keine, weil ich mich damit unsicher fühle.
    • Fahre so, als wärst du unsichtbar => Fahre sichtbar! (positive Formulierung, die von dir Aktivittät erwartet)
      Das heißt mit großen Abstand vom Vorausfahrenden. Fahre rechts in der Spur wenn eine Straße rechts einmündet. Links wenn eine Straße links einmündet. Wechsle deinen Fahrbereich in der Spur, damit di in allen Spiegeln deines Vorausfahrenden auftauchst. (Rechts-Mitte-Links-Rechts-Mitte usw.). Mach dich sichtbar in jeder Form.
    • Augen auf bei der ersten Gruppenfahrt (Niveau sollte an schwächsten Fahrer angepasst werden) => Da habe ich eine andere Meinung. Wenn ein langsamer Fahrer vorne in der Gruppe nicht mitkommt, dann sollte er am Schluß fahren und es durchaus auch abreißen lassen. Die Gruppe sollte dann so fair sein und auf ihn bei der nächsten Stelle warten, an der die Richtung geändert wird. Der Vorletzte sollte dann den Letzten im Spiegel haben. Wenn das nicht klappt, dann taugt die Gruppe nix!
      Ich bin seit 1999 Tourguide und mache das genau so mit Erfolg.
    • Ausgiebig Probe fahren => Nur die Maschine kaufen, die zu dir passt, egal was irgendjemand dir sagt. Hier hilft wieder Bauchgefühl und Intuition.
    • Die Winterpause nutzen, um sich einzulesen (Bernt Spiegel: Die obere
      Hälfte des Motorrades/ Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten)
      => Das Buch von Bert Spiegel führt vom Titel her ein wenig in die Irre. Das Thema des Buches ist der Gebrauch von Werkzeugen am Beispiel des Motorradfahrens, also warum spüre ich Fahrbahnunebenheiten obwohl ich keine Nerven in den Reifen habe.
      => Im zweiten Buch geht es eher ums Unterwegssein und die Freiheit, die man verspürt, wenn man mit dem Motorrad unterwegs ist.


    Have fun take care


    Biluxs

    Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg. // Laotse

    Trau keinem mit 4 Rädern, nicht mal dir selbst. // ich

  • #42

    Nach ca. 8 Jahren Fahrpraxis auf Mopeds und Motorrädern würde ich es als die wichtigste Verhaltensweise ansehen, Abstand zu halten - und zwar in vielerlei Hinsicht.

    • Eher ruhige Straßen wählen,
    • bei mehrspurigen Straßen eher nahe dem Standstreifen fahren,
    • in Kurven die Linie so wählen, dass auch wenn der Gegenverkehr die Kurve schneidet, man noch ausweichen kann,
    • mehr als genug Sicherheitsabstand zum Vordermann,
    • schnellere Fahrzeuge überholen lassen (an geeigneter Stelle bewusst rechts fahren, langsamer werden, wenn er ansetzt)


    Als zweitwichtigste Verhaltensweise würde ich die Auseinandersetzung mit der eigenen Rechthaberei ansehen. Die ist nicht sehr empfehlenswert auf einem Zweirad.

    Selbstbeherrschung ist generell ein wichtiges Thema. Wenn man es mal fliegen lassen möchte, ist das meist nicht schlimm, solange es zeitlich begrenzt und kontrolliert geschieht. Das kann man üben, sodass man nicht der "Raserei" anheim fällt. :D

  • #43

    Es ist mir entgangen ,welches Moppet fährst Du

    Wir haben das große Glück , das wir in genau jenem erdgeschichtlichen unfassbar kurzem Zeitraum leben , in dem es uns vergönnt ist , Verbrennungskraftmotoren zu benutzen.
    ( M. Perscheid)

  • #44

    Ich kann nur zustimmen, dass man immer an sich denken sollte auf der Straße, denn wenn man als Motorradfahrer verliert, bringt es nichts mehr zu sagen, dass man aber Recht hatte oder Vorfahrt gehabt hätte oder was auch immer. Dann stecke ich auch lieber das eine oder andere mal zurück, um nicht in eine gefährliche Situation zu geraten. Ich hoffe ihr habt alle immer eine sichere Fahrt!

  • #45

    Die Sache mit dem "sicherheitshalber öfter mal nachgeben" hat auch noch eine anderen Aspekt.

    Da es unter den Motorradfahrern gezwungenermaßen anteilsmäßig leider mindestens genau so viele egoistische und/oder rücksichtslose Fahrer gibt wie unter den Autofahrern ist wohl unumstritten. Leider fällt diese Minderheit aber anscheinend besonders auf wie ich in Gesprächen immer wieder höre, wodurch aber die Mehrheit unschuldig in Verruf gerät - da wird interessanterweise nicht differenziert. Dadurch ist unser Image bei der Mehrheit der Nichtbiker leider nicht das Beste.

    Darum habe ich mir angewöhnt sehr oft auf Vorrang zu verzichten und dies auch deutlich zu zeigen und mich betont entspannt in der Kolonne anzustellen wenn ich nicht im Stress bin anstatt mich durch Lücken mit Zentimeterabstand durchzuzwängen usw.
    Ich hoffe dadurch einen Beitrag zur Verbesserung unseres Image beizutragen und glaube auch fest daran das es wirkt wenn es nur genug andere Kollegen auch tun.
    Das es funktioniert sehe ich daran, das mich der Großteil der Fußgänger anlächelt wenn unverhofft stehenbleibe um ihnen das gefahrlose Überqueren der Strasse zu ermöglichen und sie auch noch mit einer freundlichen Handbewegung dazu auffordere!

    Ausschlaggebend für mein Verhalten war ein Erlebnis auf einer gleichrangigen Kreuzung in Holland, die 2 Autofahrer gefühlte 5 Minuten lang blockierten, weil jeder den Anderen den zuerst fahren lassen wollte ohne Rücksicht auf Vorrangregeln sondern als reiner Akt der Höflichkeit. Zuerst war ich irritiert, als ich aber verstand worum es ging, hätte ich mit einem Lächeln im Gesicht noch stundenlang zusehen können wie jeder der beiden darauf bestand den anderen zuerst fahren zu lassen.

    Heimlich hoffe ich natürlich viele Nachahmer zu finden, denn Strassenverkehr ist nun mal ein Miteinander und kein Konkurenzkampf wie man manchmal den Eindruck hat. Man sollte nie vergessen das diese Art der Fortbewegung zwangsläufig auch eine soziale Interaktion ist die Meinungen und Vorurteile bildet und auch auch wieder ändert.

    LG MIke

    Trau keinem Autofahrer der blinkt und schon gar keinem der nicht blink!

  • #46

    Hallo Mike,


    vielen Dank für deinen Beitrag! :thumbup:


    In vielem was du schreibst finde ich mich wieder.


    Auch ich bin der Meinung, dass wir Motorradfahrer einiges tuen sollten, um das leider gespanntes Verhältnis zu Autofahrern und der Bevölkerung zu verbessern.

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich viele Mitbürger verstehen kann. Denn Raserei, riskantes Überholen, Anbau von Krawalltüten und Ähnlichem tragen nicht zu einem friedlichen Miteinander bei.


    Einer muss den Anfang machen:!:


    Auf dass wir noch lange unserem Hobby nachgehen (fahren) können.;)

  • #47

    Bei youtube gibt es ein paar Filme mit dashcam-Aufnahmen von Motorradfahrern besonders aus dem englisch sprechenden Raum, da fällt einem nichts mehr ein. Dermaßen rücksichts- und verantwortungslose, rechthaberische und aggressive Motorradfahrer, die ohne jegliches Unrechtsbewusstsein bei eigenem Fehlverhalten(!) über die- zugegebenermaßen ebenso rücksichts- und hirnlosen Autofahrer herziehen rufen zum "Selbstschämen" auf.

    Nun schaue ich schon zu, dass lächerliche Situationen mit gegenseitiger Zwangsvorfahrtgewährung nicht ausarten, denn wenn ich fahre, dann will ich auch irgendwohin, und das möglichst zeitnah. Aber ich habe (auf dem Mopped) keine Knautschzone und die anderen Verkehrsteilnehmer können auch unkonzentriert oder abgelenkt daherkommen und Fehler machen. Das muss man ertragen.

    Es gibt natürlich auch Situationen, in denen auch ich die Straßenverkehresordnung, sagen wir mal, auslege- das macht teilweise auch Spaß, vor Allem, wenn man allein auf der Straße ist- das ist aber nichts, womit man prahlen sollte. Eine Gefährdung Anderer, nicht einmal eine Involvierung im Falle eines selbstverschuldeten Zwischenfalls, ist keine Option! Dann klappt es auch mit einer besseren Wahrnehmung von uns.


    Rentnergrüße vom Balkan


    z.Zt. NC750DE

  • #48


    Ich finde das Verhältnis gar nicht so schlecht, im Gegenteil, mir kommt auf dem Bike oft sehr viel Symphatie entgegen.
    Die meisten können doch sehr wohl differenzieren und wissen, wie Jugendliche eben nunmal oft sind - laut und rücksichtslos, aber auch, dass dies eben nur ein kleiner Teil ist.

    Hinter den Rufen nach Fahrverboten steht eher weniger die Bevölkerung als vielmehr einige wenige, die laut schreien - ähnlich wie bei anderen Themen. Und weil Motorradfahrer hierzulande nur eine Randerscheinung sind, sind sie für gewisse Parteien, die sich profilieren wollen, ein gefundenes, da leichtes Fressen.

    Klar sollte man sich rücksichtsvoll durch die Welt bewegen, natürlich auch mit dem Motorrad. Aber die große Mehrheit der Wochenendfahrer tat das auch vorher schon.

  • #49

    Gelöscht

    2 Mal editiert, zuletzt von Klingenstaedter ()

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