Kurvenlinie in engen Rechtskurven

  • #1

    Ich fahre jetzt seit 40 Jahren Motorrad und habe bislang folgende Kurvenlinien gefahren: In Linkskurven immer etwas rechts von der Mitte meiner Fahrbahnhälfte. In Rechtskurven immer etwas links von der Mitte meiner Fahrbahnhälfte.

    Nun hatte ich in den Pyrenäen zwei Mal das Problem, dass der entgegen kommende Lkw wegen seiner Größe auf meine Fahrbahnhälfte rüber ragte und ich um größeren Abstand zu ihm zu bekommen mehr Schräglage brauchte.

    Wie bekommt man in gefahrenen Rechtskurven mehr Schräglage? Richtig man muss nach links lenken damit das Motorrad nach rechts fällt und in meinem Fall erst mal noch näher an die gegnerische Fahrbahnseite. Das wurde mir zu blöd.

    Ich hatte die alte Linie gewählt um möglichst weit in die Kurve sehen zu können.

    In den engen Kurven (auch) der Pyrenäen bringt das aber nix. Man kann sowieso nicht weit genug in die Rechtskurven sehen.

    Also habe ich fortan die Linie etwas rechts von meiner Fahrbahnhälfte gewählt und bin da viel besser mit gefahren.

    Keine Adrenalinstöße mehr.

    Ich rede hier ausdrücklich nicht von Haarnadelkurven, die sind noch mal ein weiteres Kapitel wert.

    Welche Linie fahrt ihr?

    LG Achim

  • #2

    Hallo,

    ganz bestimmt ist der Rennstil ein ganz anderer als der normale Fahrstil im Straßenverkehr. Ich gleiche meinen Stil immer den Gegenbenheiten an. Das fällt mir jetzt erst auf, weil ich gar keinen (festen) Stil habe. Ich muss an schlecht oder nicht einsehbaren Kurven damit rechnen, dass ein langes Fahrzeug oder ein Fahrer mit einem sändigem Optimierungsgedanken im Kopf mir entgegen kommt.

    ___________________________________________

    In der DDR wurde einmal ein Gerichtsurteil veröffentlicht ("Wochenpost"). Ein junger PKW-Fahrer mit seinen Eltern im Auto verursacht ein Verkehrsunfall. Seine Eltern starben. Er musste in einer engen Kurve einem Bus ausweichen, der die vorhandene Trennlinie überfahren hatte. Sein Ausweichmanöver führte zum Schleudern und dann zu dem schweren Unfalle. Der Busfahrer bestritt das Überfahren der Trennlinie.

    Der Anwalt des Angeklagten stellte sich mehrere Stunden an die Unfallstelle und stellte fest, dass viele längere Fahrzeuge dort diese Trennlinie überfuhren. Der Anwalt fotografierte auch mehrmals diese Situation. Dennoch wurde der Fahrer auf Bewährung verurteilt.

    Dieses Urteil war vielleicht formal-juristisch richtig. Ich empfand dieses Urteil als Fehlurteil. Der Fahrer war schon bestraft.

    Seine Eltern waren tot.


    Reinhard

  • #3

    Hallo!

    Ich habe mir seit 2 Jahren die Technik des Kurvenhinterschneidens angeeignet (keine Ahnung warum das so heißt). Das bedeutet ich fahre Rechtskurven knapp an der Mittellinie an, natürlich richtiger Gang und Geschwindigkeit vorausgesetzt und ziehe dann mit dem Einlenken, so spät wie möglich, auf die Innenseite meiner Fahrbahn, dh ich komme aus der Kurve am rechten Rand der Fahrbahn raus. In Linkskurven das ganze natürlich Spiegelverkehrt.

    Der Vorteil dabei: ich seh viel früher in die Kurve rein, daher auch den ev Entgegenkommenden wo und wie auch immer und ich kann früher wieder beschleunigen.

    Mir gefällt's, war ein wenig Umstellung aber mittlerweile funktioniert das recht gut, Mitfahrer und Beifahrer wundern sich immer warum ich sooooo spät einlenke. Ich fühl mich sicherer wie vorher - war ich doch auch einer der vielen "Kurvenschneider" was zu vielen "spaßigen" Situationen geführt hat, jetzt nimmer.

    Funktioniert natürlich nicht in allen Kurven, lustigerweise am besten in Spitzkehren, warum kann ich ned sagen.


    LG aus Wien

    Georg

  • #4

    @tdmschurli

    Das passt schon! Wird auch soweit ich mich erinnere im Buch "Die obere Hälfte des Motorrads" von Bernt Spiegel (Pflichtlektüre für Motorradfahrer) als einzig sichere Methode im Strassenverkehr empfohlen weil es bei richtiger Geschwindigkeit unmöglich ist auf die Gegenfahrbahn bzw. ins Schotterbett zu kommen!


    Das beliebte Kurvenschneiden hat leider nur Nachteile. Wenn man in einer Linkskurve der Mittellinie zu nahe kommt ist man meist schon mit dem Kopf über der Gegenfahrbahn was sich bei Gegenverkehr als fatal erweisen kann und meist kommt man danach dem Bankett gefährlich nahe - mein Schwager verbrachte deshalb eine unerfreuliche Nacht im Spital mit jeder Menge Schotter in der Unterhose ;)
    Bei Rechtskurven landet man dann am Kurvenausgang fast immer auf oder über der Fahrbahnmitte!
    Kleiner Tipp: Wenn die Kurve richtig gefahren wurde sollte man am Ende fast in der Fahrspurmitte sein.


    Auch im Rennsport wo es bekanntlich keinen Gegenverkehr gibt :-)) wendet man die Technik des Hinterschneidens immer an wenn danach eine Gerade folgt weil man so früher beschleunigen kann!


    LG Mike

    Trau keinem Autofahrer der blinkt und schon gar keinem der nicht blink!
    Ein Motorrad das nicht fährt, das ist sein Geld nicht wert!

  • #5

    Ich fahre unübersichtliche Kurven immer möglichst weit außen an. Dann ordentlich Schräglage aber nie auf der letzten Rille. So bleibt mir bisher immer genug Zeit, auf den Gegenverkehr zu reagieren und die NC notfalls auch noch aufrichten zu können. In übersichtlichen Kurven kann man auch mal etwas schneiden, sofern es der Gegenverkehr und die nächste Kurve zulässt. "Die obere Hälfte des Motorrads" habe ich ebenfalls gelesen und kann es nur empfehlen.


    Ganz nebenbei: Ein Motorrad mit Fahrer in voller Schräglage ist so breit wie ein PKW. Mit dem Unterschied, dass es beim PKW im Worst Case den Spiegel abrasiert und beim Motorradfahrer bei falscher Technik der Kopf aufschlägt.


    Viele Grüße

    Michael

    Mein Werdegang mit motorisierten Zweirädern: Yamaha RD 50 > Hercules 3-Gang-Moped > SR 500 > DR 800-BIG > aktuell NC750X (RC72)

    Einmal editiert, zuletzt von Michael64 ()

  • #6

    "Motorradtraining alle Tage: Das Übungsbuch zu Die obere Hälfte des Motorrads"
    von Bernt Spiegel wäre meine Empfehlung.
    ISBN 9783613031135

    Das andere Buch von ihm ist trockenste Theorie.

    "Das Widerlegen von Schwachsinn erfordert eine Größenordnung mehr Energie als dessen Produktion."

    (Brandolinis Gesetz, auch Bullshit-Asymmetrie-Prinzip genannt)

  • #7

    Ich habe beide Bücher und würde auch empfehlen beide zu kaufen (kostet nicht die Welt) weil das Übungsbuch wie Du richtig sagst der praktische Teil ist, aber eigentlich baut es auf das Theoriebuch auf das dann im 2.Buch praktisch umgesetzt wird. Wenn man verstehen will warum und wozu die Übungen gut sind, ist es wichtig das erste auch zu lesen! Bringt auch einige Aha-Erlebnisse zur Selbsterkenntnis weil sicheres Motorradfahren viel mit der eigenen Psyche zu tun hat. ;)
    Jedes gute praktische Motorradtraining hat zuerst einen theoretischen Teil (meist 2-3 Stunden) bevor es ans fahren geht.

    Trau keinem Autofahrer der blinkt und schon gar keinem der nicht blink!
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  • #8

    Grundsätzlich, also theoretisch, hast du vollkommen Recht.
    Aus meiner Erfahrung heraus ist das für 95% aller Motorradfahrer zu viel, zu theoretisch, zu langweilig. Mich hat es sehr interessiert da ins Detail zu gehen, aber wenn man sich Forumsdiskussionen anschaut, dann schaltet doch die Mehrzahl ab wenn es um Details und Theorie geht. Da kommen dann oft nicht mal mehr Nachfragen. Und mit Selbsterkenntnis muss man gestandenen Motorradfahrern mit 20 Jahren Erfahrung im Falschmachen doch nicht mehr kommen. ;)

    "Das Widerlegen von Schwachsinn erfordert eine Größenordnung mehr Energie als dessen Produktion."

    (Brandolinis Gesetz, auch Bullshit-Asymmetrie-Prinzip genannt)

  • #9

    Ich mag/mochte beides: Theorie auf dem Sofa und Praxis im Alltag. Mein Sohn ist jetzt auch bald bereit für die erste sehr kleine 50 ccm oder 125 ccm Karre. Ich werde ihm das Theorie-Buch zum lesen geben und dann erstmal auf dem Übungsplatz die Grundlagen zeigen. Er ist schon ganz heiß drauf - auf die Praxis :)

    Mein Werdegang mit motorisierten Zweirädern: Yamaha RD 50 > Hercules 3-Gang-Moped > SR 500 > DR 800-BIG > aktuell NC750X (RC72)

  • #10

    Damit hast Du wohl leider recht! Ist IMHO aber nicht nur eine Frage wie lange man schon fährt sondern auch eine gewisse Lernresistenz mancher Zeitgenossen. Das erinnert mich an einen Fahrer aus einem anderem Forum dem ich - da er erst ein Jahr Fahrpraxis hatte - empfohlen hatte doch einmal ein Motorradtraining bei einem renomierten Veranstalter zu machen, da ich aus eigener Erfahrung wußte das die paar Unterrichtsstunden das Fahrkönnen und die Sicherheit wesentlich verbessern können.
    Die Reaktion war sinngemäß: "Sowas brauch ich nicht, ich bin sowieso der Beste"

    Ein halbes Jahr später flog er aus einer Kurve (klassischer Alleinunfall) und erklärte dann dies sei die Schuld des Strassenplaners weil dieser die Kurve falsch berechnet und gebaut hätte - dazu erübrigt sich wohl jeder Kommentar ;)

    LG Mike

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