Vorab: ich hatte diesen Beitrag im thread: Neues aus der Welt der Boxer - BMW R1300GS
eingestellt um auf eine Frage von Winni zu reagieren. Von der Thematik passt er aber besser hier her.
Hallo Winni,
gerade deine ausführlichen Beiträge zum Umbau der Gabel, sprich dem Einbau des PD-335, des Feder-
wechsels sowie dem einfüllen von dünnerem Öl, habe ich aufmerksam gelesen.
Du hast ja mehrere Änderungen vorgenommen um das beste für dein Empfinden herauszuholen.
So wie ich dich verstanden habe wirkt die Gabel noch nicht schwammig hat aber an Komfort gewonnen
und leitet kurze harte Schläge stärker bedämpft in den Lenker. Für die Bedämpfung der kurzen harten
Schläge ist ja haupsächlich das PD-335 verantwortlich und erst in zweiter Linie die Herabsetzung der
Ölviskosität.
Dünneres Öl macht die Gabel allerdings über den gesammten Federweg (Zug, sowie Druckstufe) weicher
und es besteht die Gefahr der Unterdämpfung und das die NC beim Bremsen stärker eintaucht, dann haben
wir ein Schaukelpferd und das Gefühl für das Vorderrad geht verloren, das will ich unbedingt vermeiden. Im
Originalzustand vermittelt die Gabel bei normalen Strassenbelag für mich ein gutes Gefühl für das Vorderrad.
Um dieses gute "Vorderradgefühl" zu behalten würde ich auch zukünftig die zwischen etwas zu weich und
etwas zu straff wirkende Abstimmung akzeptieren auch wenn die Originalfeder, die ja progressiv von
6 -10 N/mm gewickelt ist, auf den ersten 3-4 cm etwas zu weich ist.
Der Federexperte Wilbers sagt übrigens zu der NC-Gabelfeder: Original besitzt die Gabel progressive Federn,
wobei die erste Federrate zu gering ist und dadurch auch relativ schnell in die zweite, deutlich zu harte Federrate
wechselt.
Das halte ich für etwas übertrieben aber tendenziell haben sie recht, kann ich aber verstehen, die wollen
ja ihre Federn an den Mann bringen.
Allerdings, mit meinen 66Kg blank und voll aufgerüstet mit Helm ca. 71Kg kommt diese Einschätzung nicht so zum
tragen. Das fällt Fahren mit über 80Kg wohl ehr auf, da bedingt durch das höhere Gewicht die ideale Federbasis
unterschritten wird und durch die Anfangs zu weiche Feder die NC schon zu stark einfedert, sprich Federweg
verloren geht und die Gabel bei Unebenheiten schneller im zu harten progressiven Bereich arbeitet.
Allerdings ist die prinzipbedingte Überdämpfung bei kurzen harten Schlägen wie bei unserer Standardgabel
für mich ein NoGo.
Und da kann ein Gabelventil Abhilfe schaffen. Jetzt habe ich ja schon in mehreren Beiträgen gelesen das nach
Einbau des PD-335 kaum eine Verbesserung bei harten Schlägen eingetreten ist. Erst wenn man die Feder-
vorspannung der Feder auf 0,5 bis quasi 0 Umdrehungen absenkt scheint das Ventil bei harten Schlägen
anzusprechen, sich also zu öffnen und den Ölvolumenstrom durchzulassen. Das ist für mich ein klares Indiz
dafür das die Federrate nicht passt, sprich die Feder zu fest ist.
Wenn ich mir ein PD-335 besorge werde ich die Federrate ermitteln und eine weichere Feder verbauen die besser
anspricht.
Da ich im Frühjahr noch einige andere Projekte verfolge wird es wohl schon Sommer sein bevor ich das
Gabelventil verbaue. Über meine Erfahrungen werde ich dann aber hier berichten, versprochen.
Eine Sache möchte ich noch klarstellen:
Hier und in anderen Foren geistert etwas herum das einer Klarstellung bedarf!
Es wurde mehrfach diskutiert ob man beim Einbau eines PD-335 etc. die Ölbohrungen unten im Gabelkolben
aufbohren muß und hier zusätzlich noch 8mm Löcher einzubringen sind.
Schon allein diese Frage zeigt mir das viele das Prinzip des Gabelventils nicht ansatzweise verstanden haben.
Um dem Fass die Krone aufzusetzen kursiert auch noch eine Aussage nachdem YSS auf Nachfrage gesagt hätte
"wir haben viele Test's durchgeführt und das Ergebnis ist das keine Notwendigkeit besteht zusätzliche
Bohrungen anzubringen"
Wenn diese Aussage von einem YSS Mitarbeiter mit technischem Sachverstand getätigt wurde wär das für mich ein
Grund für eine Abmahnung wegen geistiger Umnachtung.
Also, wenn ihr diese Bohrungen, die als von HONDA definierter Strömungswiderstand für die Druckstufendämpfung
dienen, nicht aufbohrt, erhöht ihr noch zusätzlich die Druckstufendämpfung und die Gabel wird bockhart da das Öl
dann durch zwei Engstellen gepresst werden muß!! (1x Bohrungen im Gabelkolben und 1x Bohrungen im PD-335)
Im PD-335 befinden sich genau solche Bohrungen die den Ölvolumenstrom der Druckstufe definieren. Erst wenn
durch einen harten Schlag z.B. Bordsteinkante der Druck und der Ölvolumenstrom schlagartig zuhnehmen öffnet
sich der eigentliche Ventilteller und lässt Öl durch. Genau das ist Sinn und Zweck des Gabelventils!!
Für alle die die das Gabelventil und dessen Funktionsweise verstehen wollen hier noch ein Link. Ist zwar in Englisch
aber sollte mit dem Google-Translator oder ähnlichem in sekundenschnelle in halbwegs verständliches Deutsch zu
übersetzen sein: https://racetech.com/page/title/Emulators-How%20They%20Work
So, nun iss aber gut. Melde mich wenn's Neuigkeiten zum Thema gibt.
Gruß aus Lemgo, Thomas