Hallo,
ich habe das Buch von Bernt Spiegel „Die obere Hälfte des Motorrads“ nicht gelesen.
Ich hatte lediglich Rezensionen hierzu gelesen.
Obwohl ich mich ein wenig für Psychologie interessiere, da man unter anderem erstaunliches
über sein eigenes Verhalten und Handeln, welches bei weitem nicht so selbstbestimmt ist wie
man denkt, erfährt, scheint sich die eher psychologielastige Herangehensweise von Spiegel an
das Thema nicht jedem zu erschliessen.
Das war in diesem Fall für mich das k.o. Kriterium, kann man lesen muß man aber nicht? ![]()
Natürlich sind Selbstreflexion und Kritikfähigkeit eine Grundvorraussetzung um unser Handeln
gerade beim Moppedfahren zu verbessern, aber das halte ich für eine Selbstverständlichkeit.
Es gibt auch beim Motorrad die Leute die ein natürliches Talent hierfür haben und ein Motorrad
recht schnell beherrschen, mit diesem ein Einheit bilden und die Grenzbereiche erfahren und
erfühlen. Und wenn sie sich dann auch noch halbwegs an die Stvo halten sind sie recht schnell
durchaus "gute Motorradfahrer".
Leider gibt es auch gegenteiliges. Mir fallen immer wieder einmal Motorradfahrer auf die gerade
vor und in Kurven sehr unsicher sind, Schräglagenangst haben, vom Kurvenblick und der richtigen
Linie anscheinend noch nie gehört haben und dazu noch ein merkwürdiges Bremsverhalten an den
Tag legen.
Spätestens am Motorradtreff bestätigt mir ein Blick auf deren Reifen ob ich richtig gelegen habe
oder nicht.
Diesen Leuten empfehle ich in deren eigenem Interesse ein geführtes Training zu buchen. Hier ist
man unter Gleichgesinnten und lernt unter Anleitung sein Motorrad sowie dessen Grenzen zu
"erfahren". (Das kann übrigens richtig Spaß machen.)
In diesen Fällen kann das "beste Buch" die Fahrpraxis einfach nicht ersetzen!
Auch wenn ich gerne einmal im Blümchenpflückermodus unterwegs bin und die "Motorradbeherrschung"
damals ohne geführtes training erlernt habe gehe ich auch heute noch hin und wieder die Sache
etwas sportlicher an. Ich finde es für den Fall der Fälle wichtig die Grenzen was Schräglage, Brems-
verzögerung etc. anbelangt nicht aus den Augen zu verlieren. Das kann mein Leben retten!
Ohne Übung kann das schnell mit einer folgenschweren Panikbremsung
enden.
Wenn ein Reifenwechsel ansteht mache ich gerne ein paar Gefahrbremsungen. Es kann nicht schaden
wenn man fühlt wie das ABS arbeitet, die NC hinten ein wenig pendelt aber sicher zum stehen kommt.
Und ich bin mir sicher das ich die absoluten Grenzbereiche der NC und der Reifen, die Testfahrer
routiniert erfahren noch nicht erreicht habe. Schön das da noch Luft ist, man weiß ja nie.
Wie gesagt, das beste Buch bringt nichts wenn man das gelesene nicht in der Praxis umsetzt.
Gruß, Thomas ![]()