In der Zeitschrift „Motorrad“ vom 18.09.2015 wird die KTM 1290 Super Duke R auf der Nordschleife getestet.
Im ersten Teil sind recht ausführlich die Eigenheiten der „Grünen Hölle“ beschrieben und es vergeht mehr als ein Tag, bis der Tester mit der Strecke klar kommt und immer lockerer wird.
Im zweiten und kürzeren Teil geht er dann auf die KTM ein:
Stimmt, da war ja noch die Geschichte mit der Super Duke. Also, wie macht sie sich?
In zwei Worten: Sie fetzt. Wie der 1300er durch die schnellen Passagen Flugplatz, Schwedenkreuz, Kesselchen und schließlich Döttinger Höhe brennt, das macht schlicht süchtig. Nicht spitz, auf den letzten paar Hundert Umdrehungen, sondern mit der groben Hubraumkelle, übers gesamte Drehzahlband pfeffert der orange Herzog durch die „Grüne Hölle“, dass einem fast schwindlig wird.
Doch nicht bloß die schiere Power macht an. Piekfeine Gasannahme, sanftes Ansprechen, das braucht es in delikaten Passagen wie Wehrseifen, Breidscheid und Brünnchen, und damit macht die KTM nicht nur Ringeinsteigern richtig Freude.
Auch auf das Handling ist Verlass. Nicht eben hyperhandlich, aber neutral, in Schräglage ausreichend stabil und dank breitem Lenker mit überschaubarem Krafteinsatz lässt sich die Super Duke umherfeuern. Die schnellen Wechselkurven in Hatzenbach sind stets ein kleines Fest.
Das direkt angelenkte hintere Federbein spricht zu unsensibel an, poltert einfach über die Betonplatten. Ein Wahnsinnserlebnis ist das aber trotzdem.
Klostertal, hartes Anbremsen aus hoher Geschwindigkeit. Klaglos, standfest und mit guter Dosierbarkeit baut die Radialbremsanlage überschüssigen Speed ab.
Die Bremsstabilität der Super Duke allerdings ist der eines Supersport-Motorrads unterlegen, immer wieder schwänzelt das Heck ein wenig. Wir verbuchen es mal unter der Kategorie „Unterhaltungswert“.
Man spürt schon, was passiert, nur lange nicht so klar und transparent wie bei einem guten Sportler. Das zeigt sich besonders gegen Ende der Runde, Pflanzgarten, Schwalbenschwanz, Galgenkopf. Dann ist Vertrauen gefragt, der Metzler wird schon kleben. Tut er, der Sportec M7 RR ist bisher eine hervorragende Wahl. Der baut zügig Haftung auf, ist handlich, präzise, enorm gripstark, hat einen Grenzbereich und funktioniert für einen Sportreifen auch im Nassen sehr zuverlässig.
So oder so, wenn es um Spaß und Erlebnis geht und nicht um Rundenzeiten, sind Super Duke R und Nordschleife eine geniale Kombination. Einem Neuling ermöglicht sie viele kräfteschonende Runden. Sie lässt dich ohne divenhaftes Gehabe einfach in Ruhe die Strecke lernen. Und dann kann man es fliegen lassen – Power, Bremse und mit kleinen Abstrichen Fahrwerk hat es mehr als genug.
Es grüßt
sin_moto






