Beiträge von NCX_B

    Zur Freigabe von Reifen für Motorräder allgemein:


    Nach meiner Erfahrung gibt es bei den Sachverständigen zwei entgegengesetzte Extrempositionen. Die erste Gruppe glaubt ganz fest daran, dass alle Reifen ohne ausdrückliche Freigabe durch den Fahrzeug- oder den Reifenhersteller unzulässig seien. KEINER von denen hat mir je erklären können, warum, oder eine nachvollziehbare rechtliche Begründung geliefert. Das sei so, Punkt. Die andere Gruppe ist der Auffassung, dass die (für alle Reifen vorgeschriebene und vorhandene, kann jeder Sachverständige drauf zugreifen) allgemeine Zulassung für den Straßenverkehr wie ein Teilegutachten anzusehen ist, das wie auch für alle möglichen anderen Teile nicht fahrzeugspezifisch erstellt wird. Wie immer bei einem Teilegutachten sei lediglich eine Anbauabnahme erforderlich (passt die Felgen/Reifen-Kombination, stimmen die Abstände zu Schwinge und ggf. Radabdeckung, wurden Last- und Geschwindigkeitsindices beachtet) und wenn da alles paßt, steht einer Eintragung nichts im Weg. Das ist m.E. logisch, technisch und rechtlich die besser nachvollziehbare Position. Und außerdem das, was ich wollte ;) .


    Wie oft diese Extrempositionen in der großen Schar der Sachverständigen vertreten sind, kann ich nicht sicher beurteilen. Ich vermute, dass die "Selbst-Prüfer und Verantworter" nur eine ganz kleine Minderheit darstellen, vielleicht 5 v.H. Daneben gibt es wohl sehr viele Sachverständige, die sich nicht sicher sind. Eigentlich verstehen sie auch nicht, warum es bei Reifen anders sein sollte als bei allen anderen, auch sicherheitsrelevanten Teilen. Andererseits KÖNNTEN die "ohne Freigabe darf man gar nix eintragen"-Extremisten ja vielleicht recht haben. Um sich dann abzusichern, verlangen diese (ich nenn sie "Angsthasen-") Sachverständigen, dass man vorzeigt, dass die Reifen schon mal für dieses Fahrzeug eingetragen wurden. Dann ist der schwarze Peter woanders...


    Zur Eintragung Tourance Next 150/70 hinten:


    Man sollte also unbedingt erst einen abnahmewilligen Sachverständigen suchen (mitnehmen: Fahrzeugschein, technische Daten Fahrzeug z.B. von der offiziellen Honda-Seite, Beschreibung Reifen z.B. von einem Onlinehändler), bevor man den Hinterreifen in 150/70 ordert. Telefonisch geht das regelmäßig nicht, da sollte man schon Aug in Aug mit dem Sachverständigen reden. Gerät man an Extremist Nr. 1: weitersuchen. Gerät man an Extremist Nr. 2: prima, klappt. Gerät man an einen Angsthasen: PN mit vollständigem Namen und Postanschrift an mich, dann gibts eine Kopie meiner Abnahme per Post als Argumentationshilfe. Auch dann noch mal hingehen und vor der Bestellung bestätigen lassen (insbesondere bei einer S oder einem Integra, denn meine Abnahme war an einer X), sicher ist (halbwegs) sicher (kriegt man nämlich nur mündlich bestätigt: bau an und komm wieder).


    Gruß, Martin

    Die K80 von Heidenau hatte ich schon in der Garage und wollte sie für meine Alpen-Woche vor Bebra aufziehen lassen. Da kamen Ende Mai zwei Sachen zusammen: Chrissi700XD mochte die K80 beim Fahren nicht (und hat mir gut beschrieben warum) und Uberg hat begeistert über die Tourance Next berichtet. Beiden nochmal vielen, vielen Dank dafür. Einziges Problem: in 160/60 gibt es den nicht. Aber in 150/70. Mir war die NC mit den Z8 ohnehin etwas zu schwerfällig beim Abwinkeln gewesen, der K73 war da schon eine ziemliche Verbesserung. Auf die ich nicht mehr verzichten wollte. Den Effekt runderer Reifen mit entsprechend agilerem Verhalten sollte ein (moderat) schmalerer und höherer Reifen ja eigentlich haben, würde also passen. Für die 4,5er Felge am Hinterrad ist 150/70 auch in der Toleranz (am schmalen Ende zwar, aber drin). Versuchen wirs mal. Es war etwas mühsam, einen Sachverständigen für die Abnahme zu finden. Letztlich hat es doch geklappt, Hinweise dazu schreibe ich in einen gesonderten Beitrag.


    Hier mal Fotos der Tourance Next an meiner NC nach ziemlich genau 3500 km Laufleistung:






    Die 3500 km waren schon ein ziemlicher Härtetest für die Reifen. Temperaturen von null Grad in den Alpen bis 30 Grad. Straßen von besser gehts nicht über normale Landstraßenbeläge bis hin zu schrecklichsten Löcher-, Flicken- und Kopfsteinpflasterpassagen. Kurze Offroad- und Autobahneinlagen (letztere auch mal jenseits der 150 km/h). Heftigste Bremsungen im alpinen Gefälle. Fahrstile von ganz gemütlich (Bebra) bis Messer zwischen den Zähnen (Hochalpenstraße). Schräglagen teilweise bis zum Rastenkratzen. Zwei komplette Regentage mit zusammen 700 km, zusätzlich ein paar Schauer an anderen Tagen. Es war eigentlich außer Frost und Schnee alles dabei.


    Ergebnis:


    Diese Reifen sind der Hammer für meine NC und mich. Wenn sich nicht bei zunehmender Laufleistung bald etwas zum Negativen ändert, werde ich -zumindest im Sommer- wohl nichts anderes mehr aufziehen. Das kann die finale Reifenlösung für meine NC sein.


    Grip ist immer da, ob trocken oder nass. Selbst bei nassen Metall-Gullideckeln brauchte es schon Schräglage, bis da was rutschte und dann auch nur ganz harmlos und nur vorne. Mehr Vertrauen als ich in diese Reifen entwickelt habe, geht für mich nicht.


    Eigendämpfung ist ordentlich. Trotzdem kriegt man jederzeit und deutlicher als bei den Z8 und den K73 genau mitgeteilt, was sich da gerade unter den Reifen-Latschen straßenmäßig abspielt. Und diese Rückmeldung geht ausschließlich über das Hinterteil, die Reifen lassen sich nicht zu Eigenmächtigkeiten hinreißen. Längsrillen z.B.: merkt man deutlich, NC fährt trotzdem gerade weiter.


    Gibt man dann aber einen Lenkimpuls, machen die Reifen das, was sie für mich so besonders auszeichnet: sie gehen ohne Widerstand in die Schräge, genau so weit, wie man will, und bleiben da, genau so lange wie man will, und gehen noch tiefer, wenn man das will, und kommen anstandslos wieder hoch und fallen auf der anderen Seite in die Schräge, wenn man das so will und vorgibt. Präzisere Reaktionen mit so minimalem Kraftaufwand (kontrollierte, drückende Handballenimpulse reichen, wenn man beide Handballen stets auf Fühlung hat) habe ich bei einem 200kg+-Motorrad noch nie erlebt. Kurvenspaß ohne Ende. Diese Reifen wollen nicht gerade. Machen das aber auch ohne zu murren.


    Aufstellmoment bei Schräglagenbremsungen ist eher moderat und war von mir problemlos beherrschbar. Da bin ich ganz andere Sachen gewöhnt, auch auf der NC (mit den Z8).


    Was diese Reifen nicht können, ist offroad. Es handelt sich um einen reinen Straßenreifen. Trockene und harte unbefestigte Wege sind natürlich kein Problem. Aber wegen der guten Feedback-Eigenschaften leidet man auf Kies und Schotter schon mit den Reifen (man merkt fast jedes Steinchen), auch wenn das Fahren noch halbwegs möglich ist. Bei Matsch und nassem Gras sind die Reifen schwach, schwimmen und wollen wieder zurück auf die Straße.


    Wer auf Spurstabilität (nicht mit Spurtreue verwechseln, das können die Tourance Next sehr gut) besonderen Wert legt und selten mit größerer Schräglage unterwegs ist, wird mit diesen Reifen möglicherweise nicht viel anfangen können, sie vielleicht sogar etwas kippelig finden (was sie nicht sind, m.E. hängt dieses Gefühl mit dem Lenkstil des Fahrers zusammen).



    Ich schließe mich dem an, das hier sind meine Eindrücke und andere Fahrer mögen das anders sehen / erfahren. Uberg und bike-didi sehen es allerdings ähnlich wie ich ;) , nachzulesen hier und hier.



    Noch zwei Links:



    Testbericht 1000 PS


    MyNetMoto.com


    Preislich ist die Bandbreite auf dem Markt extrem groß. Ein Satz mit Versand schwankt zwischen 240 und 380 Euro. Witzigerweise ist der Vorderreifen teurer als der hintere.


    Gruß, Martin

    (Vorläufiger?) Abschlussbericht Heidenau K73


    Anfang Juni sind die K73 nach 4800 km abmontiert worden. Sie zeigen jetzt folgenden Zustand:



    hinten, Restprofil 3,0 mm in der Mitte, außen deutlich mehr, eckig verformt



    vorne, Restprofil 4,8 mm in der Mitte, außen mehr, hält nochmal so lange



    Der Verschleiß an beiden Reifen war bis Anfang Mai entgegen meinen Erwartungen eher gering. Es deutete sich eine Laufleistung von 6000 km hinten und deutlich mehr vorne an. Dann kam eine Ostseefahrt mit insgesamt 600 km Gesamtstrecke Anfang Mai bei ca. 20 Grad Außentemperatur, bei der ich ca. 120 km jenseits der 150 km/h auf der BAB und zusätzlich ca. 100 km jenseits der 120 km/h auf Schnellstraßen unterwegs war. Nach dieser Fahrt war der Hinterreifen zum einen heftig mehr verschlissen als davor, zum anderen hatte er von rund auf eckig gewechselt. Auf dem Bild ist das nicht ganz so gut zu erkennen, aber montiert war es deutlich (bin auch von mehreren Leuten darauf angesprochen worden).


    Mein Fazit: das ist für mich der ideale Reifen für Temperaturen unter 20 Grad (besser: unter 15 Grad) und Geschwindigkeiten unter 120 km/h. Grip ohne Ende bis zum Rastenschleifen, sehr agil (tatsächlich gemessene Breite hinten waren statt 160 mm übrigens 150, Heidenau gibt in den technischen Spezifikationen 161 an, vorne waren es 120/118/122), satte Eigendämpfung bei trotzdem jederzeitigem Feedback am Popometer über das, was sich gerade auf der Straße abspielt. Nässeeigenschaften herausragend. Spurstabilität etwas weniger als gewohnt, aber die Reifen fahren präzise dahin, wohin man lenkt. Kurven fahren ist ein Traum mit den K73. Wegen des Blockprofils ist die NC sogar offroad einschl. Matsch und Gras halbwegs einsetzbar gewesen. Mir haben die K73 sehr große Freude gemacht, m.E. der ideale Reifen für Leute, die nur ganz selten wirklich schnell fahren und in der kalten Jahreszeit so um die 5 tkm oder mehr machen. Im Warmen und bei häufigeren höheren Geschwindigkeiten kann ich mir gut vorstellen, dass der Verschleiß und die ungleichmäßige Verformung (nur hinten) nach den von Raso beschriebenen 1500 km bereits zum Wechseln zwingen.


    Gruß, Martin

    Köbes, vielen Dank für Deine Zusammenfassung. Was Du über den Tourance Next schreibst, kann ich im wesentlichen so bestätigen. Der beste Reifen für mich nach 3500 km Erfahrung mit nahezu allen Wetter- und Straßenbedingungen außer Frost und Schnee. Nur offroad-tauglich ist er definitiv nicht, das ist ganz klar ein Straßenreifen. Schotter und Kies gehen noch so gerade, Matsch und weicher nasser Grasboden gehen nicht mehr.


    Gruß, Martin

    Vielen Dank für das Video, Volker. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.


    Von unserer Gruppe 5 (langsam, Anfänger-geeignet) hier mal ein paar Fotos:



    Erste Pause in offener Landschaft.



    Nachmittags ausgiebig lecker Kuchen und Heißgetränke.




    Die km sind durch zwei Suchfahrten (Cafe, Volker) etwas höher als bei den meisten Mitfahrern.



    Die Fahrt kann man hier bei GPSies ansehen und runterladen.


    Gruß, Martin

    Hallo Felix,


    auch von mir ein herzliches welcome-back im Forum und schön, dass Du mit den Unfallfolgen wohl noch Glück im Unglück hattest. Wir kennen uns ja noch nicht persönlich, aber ich hatte das ganze WE in Bebra das Gefühl, dass da der Kater fehlte. Das ging wohl auch nicht nur mir so. Und ja: beim Fahren war mir das Risiko öfter präsent als vorher, den einen oder anderen (wenn auch nicht allen) etwas riskanteren Unfug aus den Bebra vorangehenden Tagen in den Alpen habe ich seit Freitag abend unterlassen.


    Gruß, Martin