Beiträge von Ritzelschleifer

    Sitzbänke sind ein schwieriges Thema, weil eben jeder "Arsch" anders ist. Aber wenn Honda schon Geld verdienen will, dann sollen sie wenigstens im Zubehör Komfortsitzbänke (hoch, normal, niedrig) anbieten.


    Bei der X kann man ja noch gegensteuern, indem man immer mal im Stehen fährt (was ich ohnehin liebend gern tue), aber beim X-ADV fällt das ja aus (wenn man nicht die sündhaft teuren Zusatzrasten hat). Umso besser muss die Sitzbank sein.


    Die ersten Erfahrungen zeigen mir aber, dass der X-ADV da wohl auch keine Glanzlichter setzen kann.

    Danke. Klingt leider nicht so berauschend, wenn du nach 2h schon anfängst hin- und her zu rutschen. Auf einer zum Hintern passenden Sitzbank hält man es problemlos 400km/6h und mehr aus, ohne das man nicht mehr weiß wie man sitzen soll. "Passend" habe ich deshalb geschrieben, weil ich vor Jahren eine günstige CBF 125 hatte, mit der ich mehrfach 400-500km am Stück gefahren bin und nie Sitzprobleme hatte.


    Im Zweifel hilft immer der Weg zum Sattler, aber bei einem Tourenmotorrad sollte eine bequeme Bank mit ordentlichem Schaum zur Serienausstattung gehören.


    Gibt es noch weitere Meinungen?

    Kein Problem, das Kopfsteinpflaster lässt sich gut fahren. An der NC bleibt sicherlich alles heile.


    Ich war am vergangenen Sonntag ja auch dort. Es hatte gute 25Grad, ganz oben ca. 20Grad. Normale Motorradjacke hat völlig gereicht. Sonst gilt die Faustregel: je 100Höhenmeter mehr, 0,7Grad weniger. Da kannst du dir recht schnell selber ausrechnen, wo die Temperaturen liegen werden. In den Alpen sollte man immer noch wärmere Kleidung und Regenbekleidung mitnehmen. Die Witterungsverhältnisse ändern sich einfach recht schnell und kleinräumig, auch ohne Ankündigung im Wetterdienst.


    So schön die Tremola ist, würde ich dir empfehlen den Susten- und vom Grimselpass über Gletsch auf den Furkapass zu fahren. Landschaftlich schlichtweg unglaublich schön.

    Mittlerweile ist der X-ADV ja schon einige Zeit auf den Markt. Mich würde interessieren, wie die Meinung zum Langstreckenkomfort ist. Mich interessiert nicht primär der sicherlich konzeptbedingt recht ordentliche Windschutz, sondern vor allem die Qualität der Sitzbank sowie wie sich die verschiedenen Fußpositionen auf den Fahrkomfort auswirken. Langstrecke heißt 400km/6h aufwärts sowie dies möglichst mehrere Tage hintereinander. Jeder Hintern ist anders, aber eine Tendenz wäre mir lieb. Bei der 2016er NC X ist die Seriensitzbank für mich nämlich eine Zumutung.


    Danke und viele Grüße,
    Hendrik

    Kleines Fazit der diesjährigen Alpentour. Es ging in einer großen Schleife von Freiburg in die Dolomiten und über die südschweizer Pässe und einen kleinen Abstecher nach Frankreich über die Schweiz zurück, knappe 2500km.


    Highlights waren fahrerisch der Passo di Rolle und der Passo di Giau, landschaftlich Gavia, Umbrail/Stilfser Joch, Valparola, Susten- und Grimselpass. Sehr gefallen (in der Gesamtschau noch besser als die "Großen") haben mir aber auch die vielen kleinen Pässe, die ich "nebenbei" mitgenommen habe und auf denen mir kaum ein Motorradfahrer begegnet ist. Nicht ganz so spektakulär, nicht ganz so hoch oder lang, aber eben sehr einsam und teils "verwunschen".


    Im Gegensatz zum letzten Jahr war die Africa Twin-Dichte sehr niedrig, dafür war nicht nur gefühlt, sondern real - ich habe innerlich eine zeitlang mal mitgezählt - jedes dritte Motorrad eine große GS. Dazu gab es Unmengen an 1200er Multistrada. Für Ducati wahrlich eine Goldgrube. NC´s habe ich nur ein knappes Dutzend gesehen.


    Damit wären wir beim Thema. Gut gefallen an meiner NC hat mir der sehr niedrige Verbrauch von gerade mal 3,2l/100km. Ich bin flott unterwegs, daher hat es mich schon sehr erstaunt. Das DCT war eine große Freude. Zwischendurch habe ich immer mal überlegt, wie oft ich hätte kuppeln und schalten müssen...bei ein paar hundert Kurven läuft da einiges zusammen. Es bleibt für mich dabei: das DCT ist DIE Erfindung im Motorradbereich der letzten Jahrzehnte.


    Nicht gefallen hat mir der Fahrersitz. Kurz: eine Katastrophe. Die Bank meiner CRF250L ist mindestens genauso bequem, ab 300km muss da der Sattler ran. Weiterhin ist mir das Fahrwerk nicht feinfühlig genug. Insbesondere hinten ist´s schon sehr bockig. Der Windschutz ist mit Palmer und großer Puig-Scheibe ok, aber es zieht noch am Helm und die Beine sind leider völlig ungeschützt. Leistung war egtl. mit den 55PS ausreichend vorhanden, nur am Drehmoment aus niedrigen Drehzahlen mangelt es einfach. Das hören viele hier nicht gern, aber DAS Drehmomentmonster, als das die NC stets bezeichnet wird ist sie einfach nicht. Bei Spitzkehren mit 30km/h müht sich der 2.Gang erheblich, obenrum kommt im 5. ab 90km/h auch kaum noch was. Bei den ganz steilen Rampen schafft sie es kaum noch die Geschwindigkeit zu halten. Das ist jammern auf hohem Niveau und das DCT wiegt vieles wieder auf, aber es ist halt mein subjektives Empfinden.


    Das Foto ist kurz vor 7:00 am Sustenpass. Diese Momente sind einfach magisch und ziehen mich immer wieder in die Alpen zurück.


    Heute war die XT1200 dran. Ich fasse mich heute mal sehr kurz.


    Ich habe dem Händler berichtet, welches Fahrprofil ich habe, welche Motorräder ich schon probiert habe und das die XT schon seit ihrem Erscheinen immer eine Art "heimliches Traummotorrad" ist. Anscheinend habe ich aber auch den Eindruck erweckt, als wüsste ich nicht was ich wollte und der Händler hat gefragt, ob ich den die 950er Multistrada auf dem Schirm hätte. Nein, habe ich nicht. Also her damit. Erst 50min XT, dann 50min Multistrada.


    Eine sehr stattliche Erscheinung, die XT. Aufsitzen auf dem 880mm-Sattel ergibt sofort ein Gefühl wie auf dem Sofa. So bequem habe ich noch nie gesessen, thronend, breites Polster, entspannter Sitzwinkel, großartiger Windschutz für die Beine und Oberkörper. Der Motor ist ein Traktormotor, ja. Aber ich mag die Charakteristik. Kein Dreher, schöner Zweizylinderschlag, aber viel Drehmoment, sonores Brummeln, immer das Gefühl vermittelnd die Leistung locker aus dem Ärmel zu schütteln und auf Wunsch schiebt er trotzdem nachdrücklich an. Das Fahrwerk bügelt alles glatt, geht mit etwas Nachdruck aber dennoch stabil durch die Kurve. Die Bremse ankert ordentlich, für den Sozius und Gepäck gibt´s viel Platz. Alles in allem genau mein Ding. Die 1090er KTM ist sportlicher, handlicher aber die XT lädt dazu ein, einfach lange, viel und entspannt zu fahren. Sie vermittelt viel Vertrauen und ein "coming home"-Gefühl.


    Dann die Multistrada. Oje...Oberkörper aufrecht wie bei einer Reiseenduro, aber der Lenker viel zu nah und zu hoch. Die Beine angewinkelt wie bei einem Sportler. Ich fühle mich wie auf einem Kindermotorrad. Dazu ein sehr sportliches Fahrwerk mit dem es sich gut durch die Ecken wetzen lässt, aber recht wenig sensibel bei Bodenunebenheiten und Asphaltflicken. Der Motor schüttelt sich unter 3500U/min, darüber rennt er wie die Hölle. Niveau MT09 Tracer. Die Charakteristik ist aber so spitz, dass ich quasi immer einen niedrigen Gang gefahren bin. Gut für Attacke, schlecht für lange Touren. Die Bremse ist teigig, der Fußbremshebel viel zu niedrig. Eine Zumuntung ist aber die Schaltung. Ich bin permanent in Zwischengängen hängen geblieben. Keine Ahnung,ob das ein Einzelfall bei dem Vorführer war, aber allein das hat es mir vermiest. In diesem Leben werde ich kein Ducatisti mehr.


    Derzeitige Reihenfolge nächstes Motorrad: 1. XT1200 mit etwas ( aufgrund der entspannten Tourentauglichkeit) Abstand auf die KTM 1090er, 2. MT09 Tracer, 3. CRF 1000 L, 4. X-ADV, 5. Tiger 800, 6.V-Strom 1000. Die Multistrada brauche ich gar nicht zu erwähnen.

    Heute also KTM 1090 Adventure. Meine ersten prägenden Erfahrungen mit dieser Marke hatte ich als 15-jähriger. Ein guter Freund ist damals - und tut es noch heute - amateurmäßig Endurorennen gefahren. Zu dieser Zeit hatte er eine 125er Zweitakt mit ca. 40PS. Ich bin zu dieser Zeit nur die 1978er Schwalbe meines Vaters gefahren. Ein klasse Moped, aber kein Vergleich. Ich also meinen Kumpel bekniet, dass er mich mal mit seiner Wettbewerbsmaschine fahren lässt. Ok, macht er. Ich drauf auf die Kiste, runter vom Hof und gewohnheitsmäßig das Gas voll aufgerissen: schon war das Vorderrad ca. einen Meter in der Luft. Das Ganze konnte bis zum vierten Gang problemlos wiederholt werden. Ich war dann so lange Feuer und Flamme, bis er von den Wartungsintervallen berichtet hat....


    Nun, seitdem mag ich KTM. Ich war aber immer skeptisch, ob die Mattighofener auch Bikes bauen können, bei denen sich nicht ständig der Lenker locker vibriert, der Motor auch unter 50% Nenndrehzahl nicht nur lustlos auf der Kette rumhackr oder ich von einer Ausfahrt auch wieder fahrend zurückkommen würde. Von der Dauerhaltbarkeit mal ganz zu schweigen. All diese Dinge hat KTM wohl in den letzten Jahren ganz gut auf die - buchstäbliche - Kette bekommen. Kontinuierliche Entwicklungsarbeit macht´s möglich, der Erfolg gibt KTM recht. 15.000er Wartungsintervalle zeugen von Vertrauen in die Qualität der eigenen Produkte.


    Der erste Auftritt der 1090er ist schon mal beeindruckend. Ich habe die normale 19"/17"-Variante gewählt. Die R mit offroadtauglichem Fahrwerk 21"/18" kann ich sowieso nicht nutzen und selbst für die "Normale" gibt´s schon breite Reifenauswahl. Schon im Stand sieht sie aus, als könnte man mit ihr sofort an der nächsten Enduromeisterschaft teilnehmen oder quer durch Russland fahren. Sehniger Auftritt, tolle Schwinge, freier Blick auf´s mächtige Federbein und trotzdem eine opulente Erscheinung von vorn. Aufgesessen dann die Verwunderung: ist die aber schön schmal geschnitten! Die 850mm-Sitzbank kann für mich mit 1,88m ruhig noch 20mm höher sein, aber es fühlt sich dennoch sofort vertraut und sehr gut passend an. Also Motor an - herrje, ist die kaputt? Doch noch das alte Zweizylinder-scheppern der 990er? Nach ein paar Sekunden legt es sich und sie fällt in den relativ ruhigen Leerlauf.


    Beim Einlegen des ersten Ganges dann schon ein gutes Gefühl. Die Kupplung ist hydraulisch betätigt, geht mit wenig Kraft und die Gänge rasten sehr präzise und dennoch ohne brutales "Klonk" ein. Bei der MT09 Tracer fand ich die Schaltung gut, hier merke ich wie gut eine Schaltung wirklich sein kann. Hervorragend auch dank Anti-Hopping-Kupplung beim runterschalten.


    Beim Anfahren dann die nächste Überraschung. Erwartet hatte ich digitale Kupplung und mächtig Schub, aber es geht sehr sanft und ist extrem gut zu kontrollieren. Etwas Drehzahl braucht der Motor, 3000U/min sind gut. Darüber fühlt er sich wohl. Er geht nie so aggressiv ans Gas wie die Tracer, viel entspannter und dennoch mit einem herrlichem Stampfen der großen Pötte beim Beschleunigen. Ein Wohlfühlmotor mit viel Charakter, der bummeln kann und dennoch blitzschnell bis in den Begrenzer dreht. Traumhaft.


    Das Fahrwerk hat 190mm vorn und hinten und ist relativ straff ausgelegt. Asphaltflicken absorbiert es dennoch gut, ein kurzer Schotterausritt zeigt die Offroad-Erfahrung von KTM: bolzenstabil. Immer das Gefühl vermittelnd, dass der Fahrer und nicht das Motorrad die Grenze setzt. Was mich aber am meisten begeistert hat ist die unglaubliche Leichtigkeit und Wendigkeit, welche die 1090er wohl auch durch den schmalen 150er Hinterreifen verströmt. Ich hatte quasi keine Eingewöhnungszeit und habe mich sofort wohl gefühlt. Auch bei der Bremse merkt man die offroad-Gene: am Anfang sehr weich ausgelegt und mit zunehmenden Hebelweg dennoch mit viel gut zu dosierender Kraft.


    Die Instrumente sind als klassischer Drehzahlmesser und zwei kleinen Digitaldisplays ausgeführt - übersichtlich und auch bei Sonne gut ablesbar. Der Lenker ist breit - aber schmaler als bei der Tracer - alle Instrumente rasten gut ein. Nur der Blinker wirkt wie aus dem Legokasten, etwas zuviel Kraft und er ist ab. Die serienmäßige Scheibe ist verstellbar und funktioniert sehr gut, auf die hohe Scheibe würde ich wohl verzichten. Erfreulich ist das kleine Fach vorn rechts für Geldbörse und Handy. Der Beifahrer hat zwar viel Platz, aber der Endtopf schränkt leider die Bewegungsfreiheit des rechten Fußes ein. Sehr gut finde ich, dass der Spritzschutz von hinten praxistauglich bemessen ist und das es viel Raum für eine Gepäckbrücke gibt.


    Am liebsten wäre ich nicht mehr abgestiegen: die Leichtigkeit, gepaart mit einem bequemen Platz und gutem Windschutz und einem druckvollen, sehr charakterstarken Motor ist eine Traumkombination. Tja, ich komme ins schwärmen, so ganz objektiv ist der Bericht nicht geworden - aber für mich war´s das beste Motorrad, dass ich bislang gefahren bin. Entspannter noch als die MT09 Tracer, nicht so fordernd, bequemer und ein Traum von Motor. Leider mit 5,6l im Schnitt auch recht durstig. Aber der 23l-Tank renkt das wieder ein.


    Negativ habe ich nichts zu berichten - ich denke, dass ich sie mir mal über ein Wochenende ausleihe. Es kann druchaus sein, dass der sportliche Auftritt und die aktive Sitzposition sich auf einer längeren Strecke - auch im direkten Vergleich zur viel geruhsameren AT - ins Gegenteil verkehren. Wenn nicht, dann war das heute ein wahres "Aha"-Erlebnis. Ich befürchte nur, dass meine Traummotorrad XT1200 beim Test am Mittwoch vor dem Hintergrund dieser Erfahrung einen sehr schweren Stand haben wird.