Beiträge von Ritzelschleifer

    Danke.


    Gestern hab ich noch eine knappe Stunde in Tourenplanung investiert. Das reicht, viel kenne ich schon. Den Rest mache ich abends im Zelt beim Bier. Am Mittwoch geht´s los über Vorarlberg und Timmelsjoch nach Südtirol, dann drei Tage im Bereich von Brixen (da war ich aufgrund meiner damaligen Fernbeziehung fünf Jahre lang jedes zweite Wochenende), Cortina d`Ampezzo und zurück über den Gavia, Stilfser Joch und alle südlichen Schweizer Pässe. Wetter soll ganz gut werden, ich freue mich schon.

    Ich war am Samstag bei uns im Hochschwarzwald unterwegs, u.a. auch zwischen Schopfheim und Gersbach. Mmn die zwar nicht landschaftlich, aber fahrerisch beste Strecke: allglatter Asphalt, perfekte Kurvenradien, nur leichte Steigung und gute Einsehbarkeit. In jeder Kurve sind hier mühe- und gefahrlos die Rasten unten. Mittlerweile bin ich richtig "eins" mit meiner NC. Seit dem Wechsel auf die Michelin PR4 fährt sie sich so spielerisch leicht, dass es eine Freude ist.


    Wie auf fast jeder Wochenendrunde ist aber doch ein Wermutstropfen dabei: zwischen Präg und Todtmoos hat es wieder gekracht. Diesmal zwar kein Motorradfahrer dabei, aber zwei Autos: Frontalcrash, drei Rettungshubschrauber. Bei der letzten Sperrung zwischen Gersbach und Wiesental ist ein Motorradfahrer verstorben.

    Eins noch zur Tracer: der Motor wird extrem heiß und strahlt eine Menge Wärme ab. Ich habe mir darüber vorher keine Gedanken gemacht, weil es schlicht kein Thema bei der NC ist: egal wie flott man fährt, an den Beinen ist nie Wärmeentwicklung zu spüren. Die Tracer-Turbine sorgt dagegen für fast unangenehme Wärme (gestern hatte es zudem 30Grad Außentemperatur) im Bereich der inneren Unterschenkel. Im Winter sicher nett, gestern grenzwertig.


    Ich habe mit der Probefahrt gestern wieder Geschmack an größeren Motorrädern gefunden. Da die 390er aktuell leider nicht als Vorführer verfügbar ist, kann ich daher als "Alternative" am Montag die aktuelle 1090er Adventure probieren. Ganz hibbelig bin ich schon auf die XT 1200 (seit ihrem Erscheinen 2010 durchgehend weit oben auf meiner "Haben-Wollen-Traumbike-Liste", aber eben immer zu teuer) am kommenden Mittwoch.

    Vergleichen kann man grundsätzlich alles. Da das hier ein NC-Forum ist, meine ich das gerade hier der Vergleich zur NC statthaft ist. Wobei es mir nicht um einen direkten Vergleich, sondern nur um eine Einordnung geht. Schließlich ist der NC-Motor jedem hier bestens bekannt. Mir ist natürlich auch bewusst, dass die MT die doppelte Leistung hat und die NC demgegenüber natürlich deutlich langsamer ist. Das ändert aber nichts daran, dass Yamaha vorgemacht hat, welche Möglichkeiten im modernen Motorenbau bestehen - und zwar nicht nur bei den 1000ern, sondern eben auch im alltagstauglichen Mittelklassesegment.


    Ich bin gestern im Anschluss noch eine Runde mit der NC gefahren: sie ist für sich betrachtet und in der Summe ihrer Eigenschaften einfach klasse, keine Frage. Aber Bodenständigkeit hat eben immer auch zwei Seiten....


    Am Ende konnte ich mir daher den kleinen Seitenhieb auf die kommende NC1000 nicht verkneifen.

    Da das hier ein ordentliches Motorradforum ist, gibt´s hier auch einen ordentlichen Motorraderfahrungsbericht und keinen über einen Roller :)


    Ich war also heute Motorrad fahren. Eigentlich wollte ich ja letzte Woche schon die 390er Duke probieren, aber da hat mir die Zeit gefehlt (der KTM-Händler sitzt gute 40min weg) und das Wetter war auch doof. Also habe ich heute ein anderes Motorrad auf meiner Liste probiert: die MT09 Tracer. Als vor einigen Jahren die normale MT09 auf den Markt gekommen ist, hat diese ja eingeschlagen wie eine Bombe. Über den Dreizylinder gibt es Lobeshymnen noch und nöcher. Zusammen mit der kleinen MT07 und deren Derivaten haben beide Maschinen Yamaha aus der jahrelangen Lethargie gerissen. Als ob das nicht schon Grund genug wäre, konnte ich Yamaha - trotz des aktuell fragwürdigen Designs verschiedener Modelle - schon immer was abgewinnen. Vor allem die Geländesparte der Tenere fasziniert mich. Deshalb fahre ich die große XT1200 endlich auch kommenden Mittwoch zur Probe und erwarte schon sehnsüchtig die fertige 700er Tenere auf der EICMA.


    Da man hier ohnehin nichts in Gelände kann ohne das gleich der Wandersmann pöbelt oder der Revierförster seine Flinte durchlädt, braucht´s auch eigentlich keine 200mm Federweg und 19"/17" oder 21"/18"-Fahrwerke. Was mich - und tausende 20.000Euro-GS-Adventure-Fahrer - nicht davon abhält, dem "ich könnte, wenn ich wollte" zu fröhnen. Realistisch finden aber nahezu 100% der Tourenkilometer auf Asphalt statt. Ich brauche also ein gutes, straffes Fahrwerk, eine aufrechte Sitzposition und einen elastischen Motor. Die MT09 Tracer passt da perfekt ins Beuteschema.


    Das Design sagt mir noch zu, wenngleich ein paar Sicken und Kanten weniger auch gut gewesen wären. Die Sitzposition passt meinen 1,88m auf Anhieb: entspannter Kniewinkel, viel Platz zum vor- und zurückrutschen, sehr breiter Alulenker (ganz wichtig für mich und ein Nachteil an der NC /die 700er Tracer hat sogar einen noch schmaleren Lenker), aufrechte Sitzposition mit ganz leichter Neigung nach vorn. Sie wiegt voll getankt nur 212kg und das merkt man auch. Trotz der opulenten Erscheinung fühlt sie sich schon im Stand leicht an. Auf der Piste überzeugt sie mit Stabilität und sehr gutem Geradeauslauf, am breiten Lenker lässt sich sich wunderbar handlich in die Kurve werfen ohne unruhig zu werden. Die Schräglagenfreiheit ist trotz der wohl längsten "Angstnippel" der Motorradwelt absolut ausreichend, geschliffen hat nichts. Das Fahrwek ist straff, aber sensibel genug für den Asphalt-Flickenteppich. Eine AT kann´s natürlich besser, "gatscht" dann aber auch bei der flotten Kurvenfahrt. Dennoch: nichts schlägt hart ins Kreuz durch. Alles in allem "king of the road"-Sitzgefühl mit wuseligem, lockerleichtem Handling bei Blick auf die Rallyearmaturen der 1200er Tenere.


    Der Sitzplatz für den Sozius ist reichlich bemessen, nur leider sind die Fußrasten viel zu hoch. Der Zubehörmarkt hat das erkannt und genügend Alternativen bereit (Hepco&Becker, Bruudt, Rizoma usw.).


    Klasse sind die Bremsen, sehr kräftig, gut zu dosieren und standfest.


    Tja - und was ist nun mit dem Motor? In einem Wort: unglaublich. Gerade mal 100cm² mehr als die NC, aber eine Laufruhe, Drehfreude und Power, dass ich vor Freude in den Helm geschrieen habe. Das - leider yamahatypisch in machen Drehzahlbereichen etwas heulende - Getriebe funktioniert butterweich, die Ganganschlüsse passen perfekt. Eigentlich hatte ich gedacht, dass der Umstieg von DCT auf Schalter mich enttäuscht. Aber der Motor macht alles wett. Wenn man will, dann fährt man im vierten in der 30er Zone und ab 50km/h einfach alles im sechsten. Da schüttelt sich nichts und selbst da zieht sie noch besser rauf, als die NC im dritten. Sobald man einen oder zwei Gänge zurück schaltet, spielt sich ein Inferno ab, dass zumindest mir die Mundwinkel vor Freude bis zu den Ohren gezogen hat. Kurz bei 90km/h im sechsten am Gas gezogen und schon stehen 140km/h am Tacho. Das sind gefühlte Welten gegenüber der NC und vermitteln ein sehr beruhigendes Gefühl der schlummernden Kraftreserve. Dennoch fühlt der Motor sich immer entspannt und nie angestrengt an. Er verleitet nicht zum rasen, sondern kann auch Bummeltempo. Der Verbrauch lag bei absolut akzeptablen 4,5l. Bei 18l Tank gibt das eine gute Reichweite.


    Wenn immer von der guten Verarbeitung bei Honda gesprochen wird: bei der Tracer kann Yamaha das auch (beim X-MAx 400 waren meine Erfahrungen leider andere). Keine unguten Spaltmaße, kein klappern, kein scheppern. Und allein die Schwinge mitsamt Kettenspanner ist ein Gedicht.


    Alles in allem sehr viel Licht also. Schatten habe ich auf meinen 70km Probefahrt mit Ausnahme der Soziusrasten und des etwas geringen Windschutzes keinen gefunden. Das ganze Paket Fahrspaß und Langstreckentauglichkeit sowie dazu Traktionskontrolle, ride-by-wire, serienmäßige Bordsteckdose und Hauptständer kostet nur knapp 10.000Euro....da muss Honda sich bei der NC1000 im Herbst anstrengen, sonst kann ich mir gut vorstellen nächste Saison erstmals fremd zu gehen.

    Ich glaube auch nicht, dass der X-adv so gut geht. Er ist sehr speziell und die, die ihn unbedingt wollten, haben ihn schon. Das Motorradjahr lief ohnehin schlecht, derzeit geht einiges bei den Rabatten. Selbst die AT DCT gibt es aktuell schon für 12600Euro neu.

    JoZie: Knapp 10T. Ich bin aber Stammkunde und bekomme sie deshalb etwas günstiger.


    omastimme: Danke. Eigentlich ist der Bericht ja überflüssig, so viel wie über den X-ADV schon gesprochen und geschrieben worden ist. Mir war es nur wichtig meine Erfahrungen - auch im Vergleich zur X festzuhalten. Wenn andere Nutzer davon profitieren können, freut mich das natürlich. Im Rückblick auf die gestrige Fahrt und im direkten Vergleich mit der NC muss ich Honda einfach Respekt zollen: nicht nur, dass sie sich an ein völlig neues Konzept gewagt haben - nein, es ist von beginn an ziemlich perfekt umgesetzt. Ich wüsste wenig, was ich mir noch wünschen würde: einen Zahnriemen und vielleicht etwas mehr Auflagefläche für die Füße und einen kleineren Winkel zwischen Trittbrett und vorderer Ablagefläche. Aber sonst?! :think:


    Ich bin beim Thema Lautstärke etwas empfindlich. Einem lauten Auspuff konnte ich noch nie etwas abgewinnen, mich nervt das Gedröhne einfach. Bei seinem Golf montiert sich der Durchschnittsfahrer doch auch keine Krawalltüte?! Ich kann daher auch gut die Anwohner bei beliebten Motorradstrecken verstehen, die allein schon deshalb negativ auf Motorradfahrer zu sprechen sind.

    Ach ja: ich habe am Ende lächelnd einen Barzahlerpreis inkl. Zulassung und Gepäckbrücke/35l-Topcase genannt bekommen, der mich schon (sehr positiv) erstaunt hat. Da fehlt kaum noch was zum UVP des Integra. Wo der X-ADV sich doch so gut verkaufen soll....


    Na, ich fahre nächste Woche erstmal mit der X in die Alpen zum "Pässe fressen".

    Gestern bin ich auch mal den X-ADV gefahren. Ich habe mein übliches Streckenprofil gewählt: Start bei Honda-Sütterlin in Freiburg, kurz Stadtverkehr und raus auf die bis 120km/h freigegebene Bundesstraße, dann auf üblem Asphalt die kurvige Strecke 1000Höhenmeter hoch auf den Kandel, über weite Kurven und popoglattem Asphalt runter durch´s Glottertal (dort steht die "Schwarzwaldklinik") und über kleine Nebenstraßen und Stadt zurück zum Händler. Bei Probefahrten nehme ich immer diese Strecke: es sind alle Bedingungen dabei und ich habe einen guten Vergleich.


    Der erste Eindruck vom X-ADV: er ist schwer und fühlt sich auch so an. Meine gleichschwere X fühlt sich schon im Stand deutlich leichter an und ist auch im Fahrbetrieb eine ganze Ecke handlicher. Das war´s dann aber auch mit den Vorteilen für die X. Der X-ADV spielt in einer höheren Kategorie und ist näher an der AT, als an der NC. Die Verarbeitung ist top, das Fahrwerk reagiert viel feinfühliger auf Fahrbahnverwerfungen und liegt gleichzeitig sehr satt. Geradeauslauf und Stabilität sind hervorragend, die Schräglagenfreiheit reicht vollkommen aus. Mir hat der X-ADV trotz mächtiger Erscheinung vom ersten Meter an sehr viel Vertrauen vermittelt. Den fehlenden Knieschluss habe ich keine Sekunde vermisst, die verschiedenen Sitzpositionen dafür sehr genossen. Der Windschutz ist mMn sehr gut, die Bremse viel besser als auf der NC: definierter und kräftiger. Extrem gut hat mir gefallen, dass Vorder- und Hinterradbremse über je einen Handhebel angesteuert werden. So kann ich deutlich feinfühliger und präziser agieren.


    Das DCT funktioniert noch einen Ticken besser, insbesondere der D-Modus ist mit den etwas höheren Schaltdrehzahlen nun auch gut zu nutzen. Für das manuelle Rauf- und Runterschalten muss man die Knöpfe nun drücken, bis es klickt. Bei der NC reicht eine minimale Berührung ohne Kraftaufwand, was mir etwas besser gefällt. Der kernigere Auspuffklang (mir fast zu laut) verführt dazu, etwas mehr am Gas zu drehen. Das Durchschnittstempo ist auch aufgrund des Fahrwerks mühelos sehr hoch. Das Cockpit ist sehr gut ablesbar, die Menge an Informationen braucht aber etwas Eingewöhnung.


    Meine Sitzprobe auf dem Sozius verheißt ein bequemes Polster, viel Platz und eine gute Auflage für die Füße. Ich meine hier kann man es gut aushalten - dies gilt im Übrigen auch für die im Vergleich zur NC X deutlich bequemere Fahrersitzbank. Ich persönlich bräuchte die sauteuren Zusatzrasten von Rizoma nicht. Ich hatte die Füße die ganze Zeit entweder ganz vorn (wie auf dem Großroller) oder waagerecht abgestützt und war trotzdem flott und habe mich in Kurven sicher gefühlt. Gewöhnungsbedürftig ist nur die enorme Höhe. Selbst mit 1,88m bin ich im Stand nicht mit beiden Füßen auf den Boden gekommen.


    Mit dem Design kann ich mich noch immer nicht recht anfreunden. Objektiv - und für meine Bedürfnisse - ist der X-ADV aber die bessere X.

    Es würde mich zwar wundern, wenn Honda so knapp vor der EICMA ein neues Modell vorstellen sollte, aber ausgeschlossen ist`s natürlich nicht. Gerade die langjährigen Händler sind ziemlich zuverlässig beim markeninternen Flurfunk.


    Wenn eine neue "S" kommt, würde aber bestimmt auch eine neue "X" kommen. Dann würde Honda dem bisherigen sehr knappen Zweijahres-Modellwechsel bei der NC treu bleiben.