Teil 2
Köln ist Käse.
Wollte, wenn man schon mal auf der Ecke ist, am Dom vorbei, was auch klappte. Der Weg zur richtigen Autobahn dauerte ewig und irgendwann wurde ich müde, als ich endlich die richtige Bahn unter den Rädern hatte. Außerdem schmerzten die Träger des Treckking.- Rucksacks, der mein gesamten Gepäck beherbergte, mittlerweile ein wenig. Und Tanken musste ich auch mal wieder, hatte schon die Reserve gezündet.
Also auf den Rastplatz, Bank gesucht, den Rucksack als Kopfkissen und Augen zu.
Ein Stündchen später wieder los, wegen der Regenwolken schnell noch die atmungspassive Regenkombi über die Lederkombi gezurrt und los.
Wie befreiend, nach ein wenig Schlaf und ohne Trägerdruck an der Schulter....Scheiße, Rucksack liegengelassen...
Also nächste Ausfahrt raus, umgedreht, zum Rastplatz und hurra, er war noch da...
Hm, im Tank konnte jetzt nicht mehr als ein kleines Pfützchen sein, auf meiner Strecke zur nächsten Ausfahrt war keine Tankstelle, aber auf der anderen Seite....also wieder die Ausfahrt genommen, gedreht, mit 80 im Windschatten eines LKW in Richtung Tankstelle...ja, ich konnte sie sehen, die Shell dort oben auf der Anhöhe, und ja, mit ordentlich schütteln kam ich noch ein paar Meter, dann war Schluss mit Verbrennungstakten.
Was nun?
Motorrad stehen lassen auf der Standspur, damit ein Langfinger sie mit in den Osten oder Westen entführen könnte?
Nein.
Also schieben, bergauf, in immer kürzeren Etappen, schwitzend, keuchend, in meiner luftdichten Versiegelung aus Leder-+Regenkombi.
Gefühlte Stunden später bockte ich die Honda zitternd vor Anstrengung auf, tankte voll, ging in die Tankstelle, griff eine große Flasche Cola aus dem Regal, schwankte wieder raus, ließ mich auf der Rasenfläche davor nieder und leerte die Flasche.
Zumindest halb, bis mich ( völlig zu Recht) einer der Kassierer anpöbelte, ich sollte eventuell erst einmal bezahlen.
Ich drückte dem einfach 25 DM in die Hand und murmelte "Stimmt so".
"Und wann fährst du das Motorrad da weg?", herrschte er mich an.
"Wenn ich wieder die Kraft dazu habe, habe das Mistding hierher geschoben. Sprit war alle."
"Da hoch?" fragte er und zeigte in Richtung Tal.
Ich nickte nur.
"Alle Achtung"
Ich rappelte mich hoch und schob die CB von ihrem Platz an Säule 4.
PS: die Jungs von der Autobahnpolizei, die während meiner Schiebeaktion 2 Mal grinsend an mir vorbeifuhren, habe ich später wegen unterlassener Hilfeleistung angezeigt. War einfach sauer.
Danach habe ich ca. alle 150km getankt ( sicher ist sicher) und bin die letzten 400km im strömenden Dauerregen nach Hause gefahren, nass bis auf die Knochen, aber das war mittlerweile egal. Unterm Helm habe ich die ganze Zeit gesungen, fand es fast schon wieder witzig.
Übrigens:
Mein Freund, der ja beim Bundesgrenzschutz war und es heute noch ist, hat an der Grenze nachgefragt und erfahren, dass ich schon wieder in Deutschland war.
Er hat dann nochmal übernachtet und ist am nächsten Tag weiter in Richtung Heimat. Nun zumindest mit trockenen Füßen....
Und ich tanke seit dieser Zeit spätestens bei 100 Restkilometern....