Seminar in Hamburg. Gut, es sollte ein wenig regnen, aber am Abend zwischen dem ersten und zweiten Seminartag könnte mal ja schon noch ne Runde durch die Großstadt fahren.
Also die Shadow 750 aufgerödelt und gemütlich ab in Richtung HH. Natürlich mit einem ordentlichen Zeitfenster, auf einem Chopper will man ja reisen und nicht rasen.
Erst über die B404 und dann sozusagen von hinten an die Hansestadt herangepirscht. Runter von der Autobahn und schon in der Kurve ein etwas schwammiges Gefühl trotz des nahezu brandneuen Hinterreifens.
An der nächsten Ampel losgefahren,,,äh gerumpelt.
Hinterreifen platt. Ein Weiterfahren mit Speichenfelgen verbot sich von selbst...
Also an den Straßenrand, mitten in einem Industriegebiet. Klar, dass der über meinen Versicherer angerufene Abschleppdienst ca. 2 Stunden benötigen würde, um meine Shadow aufzuladen.
Auch klar, dass aus dem leichten Nieselregen ein amtlicher Dauerregen wurde.
Und ebenso klar, dass nur noch 3 Stunden bis zum "come together" vergehen sollten.
Versuchte als prophylaktisch den mir unbekannten Seminarleiter zu erreichen. Der ging natürlich nicht ans Telefon.
Gerne hätte ich mich irgendwo untergestellt. Aber da war nix.
So hockte ich dann tatsächlich knappe 2 Stunden neben meinem Motorrad. Mittlerweile war es 17:00 Uhr, als endlich der Abschlepper aufladen konnte.
"Ich brauche eine Werkstatt, die mir möglichst schnell nen Reifen besorgt und aufzieht", gab ich meinem Gegenüber zu verstehen.
"Die Fahrt zum nächstgelegenen Reifenhändler ist versichert, darüber kostet das extra", erwiderte mein Chauffeur mit ernster Miene.
So landeten wir in der Süderstraße, nicht nur bekannt für den Reste- Posten- Louis- Shop, sondern auch für die Asphaltschwalben, die den Fahrstreifen beidseitig teils im Verborgenen, teils sehr plakativ besetzten. Aber für derlei Angebote war ich in dem Moment nicht empfänglich, ich dachte da an ganz andere Dienstleistungen mit erheblich rustikaleren Gummis.
Dann kam endlich der Reifenhändler in Sicht. Alles dunkel...nicht nur die Gegend, auch in den heiligen Hallen.
Meinem grobschlächtigen Fahrer war das egal, er zerrte meinen waidwunde Shadow vom Hänger.
Verzweifelt klopfte ich gegen das Tor einer der Hallen, welches sich zu meinem Erstaunen kurze Zeit später öffnete.
Einer der Monteure machte offensichtlich offizielle oder in offizielle Überstunden. Egal, ich war nicht das Finanzamt.
"Von und baut das keiner aus", ernüchterte mich der Geselle nach Schilderung meiner Situation. Immerhin schob der meine Motorrad in die Halle und meinte nach Übergabe eines Visitenkärtchens, ich solle mich morgen früh mal wegen des Reifens melden.
In diesem Moment durchbrach der startende Diesel des Abschleppwagens die Stille und fuhr davon.
Super. 2 km mit schwerem Rucksack und der Navigation des Handys zum Hotel, nass wie ein Tropf und ein wenig hoffnungslos...
Kam natürlich zu spät zum Treffen, wofür mich unser Gastgeber ein wenig unwirsch tadelte. Als ich ihm entgegnete, er könnte ruhig mal an sein Handy gehen ( ich hatte bestimmt 10 Mal versucht ihn anzurufen), entspannte er sich wieder.
Am nächsten Morgen telefonierte ich mit dem Reifenservice, bat, eine neue Pelle zu bestellen, würde das Rad notfalls in meiner Mittagspause ausbauen, aber ich würde halt gerne am übernächsten Tag wieder heimreisen, und das nicht ohne mein Motorrad.
Mehr konnte ich nicht anbieten...
Dann, am nächsten Nachmittag...fast wie Weihnachten.
"Der Reifen ist da, wir ziehen den heute noch auf. Einer unserer Jungs fährt selbst Motorrad, der macht auch den Aus- und Einbau."
Bei Abholung die nächste Überraschung. Auf der Rechnung stand nur der Reifen inkl. Wuchten und-Montage.
"Ihr habt den Ein- und Ausbau vergessen", bemerkte ich.
"Nö", erwiderte mein Gegenüber, " Wir dürfen das eigentlich nicht machen, daher steht das auch nicht auf der Rechnung."
Ich habe dann dem Schrauber, der sich mit meiner Shadow abgemüht hatte, erst einmal nen Fuffi zugesteckt mit der Bemerkung, diesen nicht gleich auf der anderen Straßenseite wieder auszugeben. ![]()
Echt ein starker Service!!!!
So nahm das dann alles doch noch ein gutes Ende, auch wenn der defekte Reifen keine 500km alt war....