Moin.
Es ist kalt und nass im Revier, kein Anreiz für eine Morgentour. Gefrühstückt habe ich schon vor einer Stunde. Ich könnte jetzt Geschirr spülen, Kaminholz spalten oder im Garten Äpfel aufsammeln ... äh, nö. Kann noch ein Stündchen warten ... 
Stattdessen ein kleiner Rückblick auf die letzten Tage. Die frische Luft war noch etwas frischer, also sonst. Also habe ich meine Schoeller-Handschuhe (Thermoboy) hervor gekramt. Die sind ganz okay bei Temperaturen um die 10°C, darunter werden sie mit jedem abfallenden Grad proportional schlechter. Auf den Gefrierpunkt zu, verkürzen sich die Fahrtzeiten radikal. Ich schaffe dann maximal 45 Minuten, also ziemlich genau meine kürzeste Hausstrecke.
Die Schoeller sind ziemlich dick, eine echte Umgewöhnung, wenn man monatelang nur geschmeidiges Ziegenleder zwischen Haut und Lenkergriff getragen hat. Die Bedienelemente, also alle am Lenker befindlichen Schalter, scheinen auf wundersame Weise geschrumpft zu sein ... Hupe und Blinkerschalter machen nun meistens gemeinsame Sache, und manuelles Runterschalten im AT-Modus wird zum Glücksspiel. Etwas besser läuft es mit dem Modus-Wahlschalter, aber da muss ich jetzt wieder hinschauen, um ihn zu treffen - das hatte ich mir schon erfolgreich abgewöhnt.
Das blinde Ertasten fällt also gerade mal flach, und das hat direkte Auswirkungen auf die Fahrerei, natürlich. Kleine Ursache, große Wirkung. Vor drei Tagen bspw., da befahre ich eine ordentliche Steigung in der Innenstadt, vor mir ein älterer Kastenvolvo mit einem älteren Herrn am Steuer, der es gar nicht eilig hatte. Meine X im D-Modus, bereits untertourig, verlangte es nach einem niedrigeren Gang. Allerdings wollte das DCT nicht akzeptieren, dass ich gerade bergauf auf einen PKW auflaufe, in dem Moment war es wohl etwas denkfaul. Die Kiste fing monstermäßig an zu bocken, ich dachte, mir fliegt gleich das Getriebe um die Ohren - echt beängstigende Geräuschkulisse. Ich mal fix mit dem Daumen die Eingriffstaste gesucht, um manuell runterzuschalten. Getroffen habe ich wg. dem dicken Handschuh aber lediglich den Blinkerschalter ...
Um die X aufzufangen, musste ich zwei oder drei imaginäre Gullideckel umkurven. Hatte von außen betrachtet sicher Slapstick-Wirkung. Ich selbst fand das gar nicht komisch, ich hatte mächtig Adrenalin. Zurück in der Garage, habe ich erstmal ein paar Trockenübungen gemacht, was das Bedienen insbesondere der linksseitigen Schalter betrifft. Dabei ist mir erstmalig bewusst geworden, wie eng bei- bzw. übereinander diese angeordnet sind. Es ist bei dickeren Handschuhen gar nicht anders möglich, man muss auf die Suche gehen, also entweder hinschauen oder sehr sorgfältig ertasten, wo man sich gerade befindet und welche Aktion man durchführen möchte. Vernachlässigbar bei Licht und Hupe, nervt es bei der Blinkerbetätigung, in Sachen Gangwahl kann es dann schon eher gefährlich werden. Und natürlich kommt da wieder der Anschlussgedanke: Mit einem ordinären Kupplungshebel wäre mir diese Situation erspart geblieben.
Meine Überlegung ist nun, die Handschuhe zu wechseln. Dabei sind die Schoeller an sich schon recht brauchbar, sie halten längeren Regengüssen problemlos stand, die Thermoisolierung ist im Großen und Ganzen in Ordnung, der linke Handschuh hat diese ungemein praktische und sehr gut funktionierende Wischlippe. Außerdem habe ich überhaupt keine Lust, dafür schon wieder Geld auszugeben. Grrrr ...
Reifen: Ich bin dieser Tage erstmalig bei "richtiger" Nässe unterwegs gewesen. Ich darf das mal deutlich aussprechen, ja?
Okay: Die Trailmax sind auf nasser Piste einfach nur Scheiße! Bei der nächsten passenden Gelegenheit schmeiße ich sie runter. Ich schwanke noch zwischen den Metzeler 01 und Dunlop Roadsmart III. Vielleicht entscheidet hier nur der Preis.
Gestern auf einer Ausfahrt bei einem Zigarettenstop einen netten Herrn um die 60 (?) kennengelernt, ebenfalls Zigarettenstopper und Versys-650-Fahrer. Wir haben uns lange und ausführlich über die X unterhalten, er war augenscheinlich sehr angetan und sagte, hätte es in seinem Umfeld (Lennestadt) einen Honda-Händler gegeben, wäre seine erste Wahl wahrscheinlich die X gewesen - so beim Betrachten ganz aus der Nähe. Und so scheint es dann oft zu sein, oder? Die Nähe zum nächstgelegenen Motorradhändler fördert die Bequemlichkeit und die Kaufentscheidung. In meinem Fall müsste ich dann eigentlich Yamaha fahren ... 
Gruß
Jörg