Nachdem man bei all dem schönen Wetter ohnehin keine vernünftigen Regenaktivitäten unternehmen konnte, habe ich mich spontan breitgeschlagen und gestern einen Tag freigenommen. Resultat: 480km
Erst Tochter im Kiga abgeworfen, daher später Start erst um 09:30 Richtung Reutte. Ab da Engpass, Fernpass, Reschenpass. Erstaunlich wenig Verkehr, viel Sonne. Nach dem Reschen, im Vintschgau ab Laudes rechts ab Richtung Münstertal/Schweiz auf den Umbrailpass. Ab da Aufwachen und Umschalten vom Touring- in den RR-Modus.
Oben nach der Grenze links noch 7-8 Minuten Richtung Stelvio Passhöhe zum Mittagessen im Restaurant Tibet. Unten 25 Grad, oben 12 bis 15 mit steifer Brise. Brrr!
Anschließend die Stelvio Westrampe runter nach Bormio. Dabei durfte ich dann auch noch Gutmensch sein und einem Biker helfen, seine umgekippte BMW RT wieder in die Vertikale zu bringen. Nach wie vor kaum Verkehr.
Von dort über den Passo di Foscagno rüber nach Livigno. Erstaunlich, wie dort weit über der Baumgrenze nicht nur einzelne Bauernhöfe sondern komplette Dörfer inkl. kompletter Infrastruktur stehen. Livigno selbst ist seltsam, scheint nur aus Hotels, Pensionen und gigantischen Parkplätzen zu bestehen.
Die Fahrt entlang der Livignosees verbringt man dann hauptsächlich in Galerien. Am nördlichen Ende ist der See durch eine gewaltige Staumauer begrenzt über die die Strasse führt und auf deren Mitte witzgerweise die Mautstation für den anschließenden Munt la Schera Tunnel steht.
Nach dem Tunnel ging es via Zernez über das Engadin wieder zurück Richtung Landeck und Imst.
Die Befragung von Google-Maps ergab, dass der Fernpass mal wieder verstopft war - nur vom wem, ich habe den ganzen Tag fast niemand gesehen. Also beschloß ich trotz des inzwischen gewittrig verdunkelten Himmels über das Hahntennjoch Richtung D zu fahren. Ich war anscheined der Einzige weit und breit und hatte diese formidable Spaßstrecke ganz für mich allein. Juchuu! Ich dachte schon wie doof alle sind, die gerade auf dem Fernpass im Stau standen.
Aber ich sollte noch zu meinen "vernünftigen Regenaktivitäten " kommen. 
Spätestens auf der Passhöhe kamen mit Zweifel, ob nicht vielleicht doch ich der Doofe bin. Es wurde neblig und fing leicht zu regnen an. Ca. 7 km vor Ende der Passstrecke im Lechtal fand ich mich dann recht plötzlich inmitten eines heftigen Gewitters und es schüttete wie aus Eimern. Die Frage war, in einem Tunnel warten oder versuchen noch bis zum ersten Gasthaus im Lechtal zu kommen? Dunkel wurde es auch noch. Ich beschloß langsam weiterzufahren, um noch bei ein wenig Helligkeit vom Pass runter zu kommen. Die kürzlich angebrachten Nebelscheinwerfer leisteten gute Dienste genauso wie die Heizgriffe, die meine durchnäßten Sommerhandschuhe wenigstens warm hielten.
Im ersten Ort nach der Passstrasse, in Elmen im Lechtal, bin ich dann im Cafe Treibholz eingekehrt, wo ich das Ende des Gewitters abwarten konnte. Sehr empfehlenswert. Bikerfreundliche Atmosphäre - die Harley des Chefs, ein Berliner, war kurz zuvor zum Schutz vor dem Regen kurzerhand zwischen die Tische im Gastraum geschoben worden.