Beiträge von Sigi64


    Es wird immer (zumindest auf absehbare Zeit) Autos geben, die den Automatisierungs- und Connectivity-Quatsch nicht mitmachen.
    Die haben halt meist ein weniger cooles Image. Jeder entscheidet selbst, was er kauft.


    Imho hat jeder mit seinem Handy genug Verbindung zur Welt außerhalb des Autos dabei. Das Auto braucht nicht auch noch selbst online zu gehen.


    Natürlich wird es immer Menschen geben, für die die Teilnahme am Straßenverkehr eine Belastung darstellt, die überhaupt nicht lustvoll erlebt wird. Für die ist die Entwicklung zu mehr Fahrzeugautonomie sicher toll. Aber man muß sich ja nicht nach den Desinteressierten richten. Auch die Autoindustrie wird den Teufel tun und die Enthusiasten vergrätzen.


    Auf dem Motorrad bin ich offline. Handy aus. Keine In-Helm-Kommunikation, Navy nur im Notfall.




    Das war letztes Jahr genauso. Die Neu- und Gebrauchtpreise fallen, je kälter es wird. Deshalb habe ich Mitte Dezember den Entschluß gefasst, umzusteigen.

    Es gibt keinen eigenen Versys Thread aber hier wurde die 1000er Versys schon mal besprochen.



    Das alte Problem: Moppedtesten führt meist nicht zu der erhofften Klarheit, sondern zu neuen Wünschen, die man zuvor nicht hatte.
    Diesmal so richtig, denn: nach 400 km Versys 1000 bin ich seltsam verwirrt. :?


    Warum habe ich mir die Versys überhaupt angesehen? Offizieller Grund: Die X konnte ich am Wochenende nicht fahren, weil der VR komplett runter war - wurde erst heute gewechselt. Wirklicher Grund: 2014er Versys 1000 mit 0 km werden schon ab 8400,- vertickt! Das sind fast 33% weniger als der aktuelle Listenpreis, weniger als der Preis einer 750X DCT mit Koffer oder soviel wie für eine CTX700N. Für eine brandneue Kawa mit dem Motor der Z1000! :drool:
    Klar, die Zyklopenoptik der 2014er ist nicht so der Brüller, aber beim Blick auf's Cockpit gibt's keinen Unterschied. Und komplett in schwarz sieht sie gar nicht mal so ohne aus, bißchen brutal vielleicht.
    Haben-Wollen? Haben-Wollen! :drool:


    (Die 2015er mit dem Pokemon-Gesicht gibt es auch schon ca. 2000,- unter Listenpreis, fünfstellige Preise sind aber Denkverbotszone)


    Eindruck der ersten Kilometer: eine mächtige Erscheinung, die Versys - kein kleines Motorrad!
    Aber eine Reiseenduro, ein Adventure Bike ist das irgendwie nicht. Mehr ein als Chevy Full Size Pickup verkleideter Ferrari 488 GTB.
    Daueransage aus dem Maschinenraum: Drehzahl! Avanti! Avanti!


    Obwohl, auch niedertourige Fahrweise ist kein Problem. Da ist der Motor dann sehr geschmeidig und easy fahrbar, klingt unter 4500 sogar etwas langweilig. Beim Bummeln über kurvige Land- und Waldsträßchen mit Tempo 80 fehlt mir auch bei diesem Vierzylinder doch das "kleine" akustische Drama. Stattdessen klingt es nach meinem früheren 1999er Skoda. :lol: Ab 7000 beginnt dafür dann aber das "große" akustische Drama oder viel besser: DAS INFERNO!
    Adventure Touring, ähm, Racing. Kawasaki Style eben! Aber will ich das in einer Reiseenduro?


    Kraft hat sie ja. Das Vorderrad hebt auch im 2. Gang beim schnellen Gasdreh verläßlich ab, sogar in der schärfsten von der 3 Stufen der Traktionkontrolle.
    Der gemeine NC-Treiber muß sich an sowas natürlich erst gewöhnen. Statt Drehmomentbollern das ständige Gefühl, zu hochtourig zu fahren. Am Ortsende willst Du hochschalten doch der 6. Gang war die ganze Zeit schon drin. Aha, 6. Gang innerorts geht also nicht nur mit der NC.
    Wenn man so will hat man durch das große nutzbare Drehzahlband das bessere DCT gleich inklusive - statt automatisch wird nämlich gar nicht geschaltet. 40 im 6. geht, 140 im 2. geht auch, ohne besondere Beschwerden aus dem Machinenraum. Auf dem Oberjochpass, wo ich die NC im Juli in 4 Minuten bestimmt 60 mal geschaltet habe gingen mit der Kawa locker flotte 4 Minuten im 4. Gang (aus alter Gewohnheit habe ich ein paar mal unnötigerweise doch geschaltet).
    Also doch entspanntes Adventure Touring? Am Berg ist der Motor auf alle Fälle Oberklasse!


    Die Versys ist überhaupt ein super Motorrad. Nach 400 km kann ich sagen: die Versys und vor allem der Motor machen mich süchtig. Schwer, meine rechte Hand unter Kontrolle zu halten, die Versuchung ist zu groß, jeden Berg hinaufzufliegen. Ich "muß" die Fahrt immer wieder mit heftigen Sprints auflockern, um dieses phänomenale Ansauggeräusch ab 4500 Umdrehungen nochmal und nochmal zu hören.
    Der für mich herausragenste Aspekt der Kawa ist aber das Fahrwerk: absolut souverän, das Beste, was ich dieses Jahr (oder sogar jemals) gefahren habe, straff aber deutlich weniger hart im Anprechen als die NCs, kein Geschaukel, keine brenzligen Situationen auf egal welchem Untergrund, auch ganz stabil bei einer nötig gewordenen Notvollbremsung (Dose hat mich übersehen).
    Man hat immer das Gefühl, es ist komplett unterfordert.


    Naja, nur fast immer:
    Umso mehr hat mich nämlich erstaunt - und das ist mein einziger echter Kritikpunkt neben den Gschmacksfragen - dass die Kawa auf der AB ab 190 km/h leicht pendelt. Beim ersten Mal hat es mich noch überrascht und ich bin im Schreck vom Gas. Noch 2 Versuche, jedesmal mal das Gleiche. Bei einer Kawa hätte ich das nicht erwartet. :cry: Ich habe bzgl. der Versys 1000 auch noch nie davon gelesen. Vielleicht kann man da ja mit einer besseren Feder-/Dämpfereinstellung was machen.
    Im Alltag ist das aber nicht so wichtig - mir zumindest - wer prügelt sich selbst aufrecht auf einer Reiseenduro in diesem Geschwindigkeitsbereich schon hunderte von Kilometer auf der AB?
    Auf einem niedrigeren Bike hätte ich damit schon eher ein Problem.


    Fazit:
    Die Versys ist wohl mit einigem Abstand das beste Bike, dass ich je gefahren habe :clap: , das stärkste sowieso, aber...
    Ein rattenscharfer Vierzylinder in einer Reiseenduro? Hm. :think:
    Will ich auf einem hohen Bike wirklich ständig zum Rennen animiert werden, mich im Touring-Modus dagegen langweilen? Hm.
    Eine Versys mit V-Strom Motor, das wäre vielleicht was... :think: ...oder vielleicht doch die AT? ;) Hm.


    Oder der Versys Motor in einem zweirädrigen Ferrari!
    ...und da isses wieder da, das alte Problem:
    Jetzt will ich diesen Motor nämlich mal ganz dringend in einer Z1000SX erfahren, am besten auf einer Rennstrecke. :auto-biker:


    ...to be continued...



    P.S.
    Es gibt auch ein kleines Video meiner Ausfahrt. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es schlau ist, den Behörden meine Geschwindikeitsübertretungen frei Haus zu liefern. :? Weiß jemand, wie ich einen schwarzen Balken über den Tacho legen kann?

    Am besten ein Basislager mittendrin buchen von dem aus Du jeden Tag Deine Tagestouren ohne viel Gepäck fahren kannst. Mit dem Wissen, dass Du für die Nacht schon versorgt bist können die dann auch schon mal 500 bis 700 km sein. So kannst Du in einer Woche ziemlich was abfrühstücken.


    Andererseits, wenn Du ohne Plan einfach drauflos fahren möchtest, dann mußt Du eben jeden Tag rechtzeitig mit der Unterkunftssuche anfangen. Damit reduziert sich dann die Fahrzeit - ist aber vielleicht eben eher Adventure Riding.


    Ich würde auf alle Fälle vorher buchen. Wesentlicher stressfreier. Und wenn's noch regnen sollte ersparst Du Dir das Abklappern mehrerer Hotels auf dem Mopped im Regen.


    Bei mir war das Ding schon ein paar mal versehentlich während der Fahrt nicht im Schloß. Da ich eh recht weit vorne sitze, geht der Deckel auch auf der Autobahn nicht auf.

    Heute vor dem Frühstück schon 160 km: Hindelang, Oberjoch, Tannheimer Tal.
    Sonne bei 0 bis 5 Grad. :dance:


    Weil die olle Tante X vorne kein Profil hat, habe ich mir kurzerhand eine Versys gemietet.
    Ich kann dieses Wetter ja nicht einfach ungenutzt vorbeiziehen lassen.
    Bericht folgt die Tage.