Hallo, hier ein Beitrag aus der neuen ADAC-Motorwelt, geschrieben von Chefredakteur Michael Ramstetter:
Ständig im Visier
Sage mir, wie du fährst und ich sage dir, wer du bist. So könnten manche Kfz-Versicherungen argumentieren, sollte sich deren „Zahle nur, wie du wirklich fährst“- Police (Pay as you drive/PAYD) durchsetzen. Durch die Erstellung von Verhaltensprofilen über Satelliten und Mobilfunk, Bordcomputer und GPS-Route kann das Fahrverhalten jedes Autofahrers rund um die Uhr überwacht werden.
Das betrifft den Halter des Fahrzeugs, der seine Einwilligung zur Überwachung gegeben hat, aber auch alle Fahrer, die mit diesem Auto unterwegs sind. Telefonica, bei uns als O2 bekannt, hat erklärt, noch 2013 in Deutschland die Technik „telefonica insurance telematic“ einzuführen. In einigen privaten Pkw in Italien, Spanien, England und in vielen Lkw großer Speditionen europaweit ist das Überwachungssystem längst an Bord.
Jetzt denken Telematikunternehmen und Kfz-Versicherungen darüber nach, die kleinen Spione auch den deutschen Autofahrern anzudienen. Lockmittel für den Autobesitzer: eine günstige Prämie. Er zahlt nur noch für sein Fahrverhalten. Außerdem soll der Halter auf gespeicherte Daten Zugriff erhalten.
Das ist bei alleiniger Nutzung zwar zu begrüßen, führt aber auch dazu, dass der Besitzer alle anderen Fahrer des Wagens lückenlos überwachen kann. Erst recht gilt dies für Arbeitgeber, die ihre Außendienstmitarbeiter kontrollieren wollen. Möglich ist zudem, dass die Daten nicht nur von der Versicherung zur Festlegung der Prämie verwendet werden, sondern auch andere Nutzer in Erscheinung treten werden. Insbesondere Strafverfolgungsbehörden könnten ein reges Interesse daran haben, diese Informationen auszuwerten. Aber auch Privatleute, die zum Beispiel zivilrechtliche Auskunftsansprüche durchsetzen wollen, könnten profitieren.
Der ADAC und seine Juristen lehnen die Einführung derartiger Überwachungscomputer in Fahrzeugen entschieden ab. Die neue PAYD-Police könnte ein Eingriff mit unabsehbaren Folgen für die Privatsphäre jedes Autofahrers sein. Und das in einem Land, wo kontrovers über die US-amerikanischen Spionagemethoden diskutiert wird.
Nur ein Beispiel von vielen kleinen Schritten in eine für mich sehr bedenkliche Richtung,
meint
sin_moto,
der sich solche vorerst freiwilligen Systeme in 10 oder 20 Jahren als „Grundausstattung“ für alle Fahrzeuge vorstellen könnte...