Das müsste man über das Motorrad sagen können, mit dem ich alt werden möchte…
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Szenario eins: Sechster Gang, 60 km/h, nur wenig mehr als 2000/min und ruckelfreie Tiefenentspannung. Vier Variablen, mit deren Kombination große Teile des aktuellen Zweiradangebots schon gehörige Probleme haben. Die fünfte Variable, dich sich allmählich am Horizont abzeichnet, verkleinert die Zahl der möglichen Problemlöser weiter. Eine saftige Steigung mahnt das normalsozialisierte Kradistenhirn zum Runterschalten. Ich fordere stattdessen meine kognitiven Routinen heraus, und gebe leicht Gas. Sanfter, aber bestimmter und cremiger Vortrieb sind der Lohn meiner Rebellion am Gasgriff.
Szenario zwei: wieder sechster Gang, wieder viel Entspannung, diesmal aber etwas mehr Geschwindigkeit und Drehzahl: 100 km/h, 3500/min. Mit fauchigem Grundtimbre schnurre ich über die südspanische Autopista. Wieder der Dreh am Gasgriff. Diesmal mit etwas mehr Verve. Ohne Verzögerung und mit linearsteigender Vehemenz erhöht sich die Geschwindigkeit und eilt dem Drehzahlmesser dabei zuvor. So präsent der Vortrieb, so nichtexistent jegliche Vibrationen.
Szenario drei: Feinst gewundene und asphaltierte Landstraßen. Gangwahl: weitestgehend irrelevant. Unter mir brodelt, faucht und grummelt es. Die Stimmlage reicht von bassig-dunkel bis kreischend-hell, fein dirigiert per Gasgriff. Gierig und direkt ist die manuelle Verbindung in den Maschinenraum, ohne jemals ins Nervöse abzudriften. Für jeden Millimeter am Gasgriff kommt sofort exakt kalkulierter und harter Punch aufs Hinterrad. You get what you give. Heiser brüllend schießt es mich von Radius zu Radius. Jedesmal verwundert, wie kurz die Distanz dazwischen dann doch war. Die dafür nötigen Drehzahlen sind stets moderat. Das obere Drittel findet im sozial- und gesundheitsverträglichen Speedbereich keine Anwendung.
Nein, auch in seiner neuesten Ausbaustufe lässt der 1050er-Triple-Reaktor nichts vermissen. Im Gegenteil. Noch kein Speedy-Antrieb war so geschliffen, so lässig und souverän. Gute zwanzig Jahre Evolution lassen die Worte „perfekt“ und „Motorradmotor“ auf sehr enge Tuchfühlung gehen…
Doch man täte dem „Original Hooligan“ wie Triumph es formuliert, Unrecht, würde man ihn nur auf den noch etwas imposanter gewordenen Motor reduzieren. Die Speed Triple wurde über die Jahre zu einem immer breitbandigeren Kumpel, der mühelos auf mehreren Hochzeiten tanzen kann – sei es das Gala-Dinner oder die Kneipenschlägerei.
Quelle: Motorradmagazin vom März 2016
Es grüßt
sin_noch-fragen- 