Ich finde es handelt sich um unglaublich vielschichtiges und spannendes Thema, zu dem es wohl unterchiedlichste Meinungen gibt und niemand weiß, welche richtig oder falsch ist - ggf. werden wir es zu einem späteren Zeitpunkt feststellen. Ich selber bin unmittelbar nach meinem 18. Geburtstag aus der evangelischen Kirche ausgetreten. Einen finanziellen Hintergrund hatte mein Austritt nicht; damals war ich noch Schüler. Beweggrund war für mich zum einen der Pastor, der meinen Konfirmandenunterricht gehalten hat und mir jeglichen Spaß und das Interesse an der Kirche nahm, zum anderen aber auch das sehr lesenswerte Buch "Im Namen Gottes", geschrieben von einem Vatikaninsider namens David A. Yallop (bin mir gerade nicht sicher ob der Name richtig geschrieben ist). Bei diesem Buch ging es um den bis heute nicht geklärten Tod des "33-Tage-Papstes", von dem gemutmaßt wird das er ermordet wurde, da er die mutmaßlich illegalen Machenschaften der Vatikanbank aufdecken und diese durchsichtiger machen wollte. Leider ist die Todesursache dieses Papstes bis heute nicht geklärt, da der Vatikan seine Leiche niemals zur Obduktion freigegeben hat - ein Schelm wer Böses dabei denkt.'Jedenfalls führten meine eigenen Erfahrungen und dieses Buch dazu, dass ich - ungeachtet der Religion- meinem Austritt beschloß und durchführte.
Ungeachtet dessen habe ich mir ganz oft die Frage gestellt, ob ich ein gänzlich ungläubiger Mensch bin oder in gewisser Weise doch an "Gott" glaube und bin bis heute nicht in der Lage, mir diese Frage zu beantworten. Eigentlich glaube ich nicht zu glauben, würde mir aber durchaus manchmal wünschen, glauben zu können, weil ich denke, dass gläubige Menschen dank ihres Glaubens mit einigen Situationen besser klar kommen als ungläubige.
So wurde vor 2 Wochen die vollkommen überraschend gestorbene, erst 21 Jahre alte Schwester meines jüngsten Kollegen beigesetzt. Die Messe wurde von einem evangelischen Pastor gehalten, der der Onkel der jungen Frau gewesen ist. Sie selber studierte u.a. Theologie auf Lehramt und die gesamte Familie - Eltern und 4 Geschwister - sind der evangelischen Kirche zugewandt bzw. in dieser in verschiedenen Ämtern aktiv. Trotz einer sehr emotionalen Predigt waren die nahen Angehörigen erstaunlich gefasst und überhaupt nicht verbittert'ob des viel zu frühen Todes Ihrer Tochter/Schwester. Ganz offenbar lag dies daran, dass die Familie den Tod nur als Übergang ansieht und - ebenso wie die junge Verstorbene - fest davon ausgeht, dass es nach dem Tod noch nicht vorbei ist und ein Wiedersehen gibt. Dieser Glaube hat den Angehörigen ganz offenbar die Kraft gegeben, mit dem Verlust umgehen zu können. Ich habe mir während der Messe einigemale gewünscht, auch einen solchen Glauben haben zu können.....
Was ich damit sagen möchte ist, dass die Kirche und der Glaube sicher ganz vielen Menschen Halt gibt und, auch wenn man selber nicht gläubig ist, eine ganz wichtige Einrichtung in unserer Gesellschaft ist und bleibt.
Auch sind die Kirchen ja auch durchaus in verschiedensten gemeinnützigen Bereichen aktiv und insoweit in unserer aber auch insbesondere in anderen Gesellschaften von ganz erheblicher Bedeutung. Natürlich sind im Namen Gottes oder wie auch immer er gerade in der jeweiligen Religion genannt werden mag,ganz ganz fürchterliche Greueltaten und Massenmorde begangen worden; dies ist immer dann der Fall(gewesen) wenn der Glaube fanatisch und intolerant wird. Und natürlich gibt es - wie in jeder anderen Gruppierung - schwarze Schafe - es gibt aber wahrscheinlich ungleich mehr Menschen an der kirchlichen Basis die wirklich gutes Tun wollen und sich dafür einsetzen, ihren "Schäflein" zu helfen'-'ich halte es daher für nicht richtig wegen eines idiotischen Erzbischofes und einigen Straftätern alle über einen Kamm zu scheren.
Ich würde mich freuen, wenn es eine tolerante, weltoffene und moderne Kirche gäbe (vlt. macht ja die kath. Kirche derzeit durch die Wahl des neuen Papstes einen Schritt in diese Richtung) - ggf. würde ich dann sogar wieder eintreten. Ich fürchte allerdings, dass bis dahin noch ziemlich viel Zeit vergehen wird und ich meinen Wiedereintrit wohl in diesem Leben nicht mehr erleben werde - aber ja vlt in einem Nächsten, wer weiß.....